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Ein neues Gesicht
oder
Ein heimtückischer Mord
Meister: Patrick
SpielerInnen: Bernie, Bine, Luc, Konny, Tommi
HeldInnen: Aelindir, Lúthien, Said, Tapo-Sica, Yswyn
Zeitraum: 27. Efferd 999 BF - 3. Travia 999 BF
Termin(e): 28.11.2014, 7.12.2014

Bevor das Geheimnis um die Drachenaugen gelüftet werden kann, erfährt die Gruppe erneut Zuwachs. Eine Gauklervorführung führt zu neuen Freunden, einem mysteriösen Mord, einer wilden Verfolgung und schließlich der Lösung des Falles.

Voriges Abenteuer: Der Händler

Hauptcharaktere: Bearbeiten

  1. Aelindir Abendblüte
  2. Lúthien Melwasúl
  3. Said ibn Emir
  4. Tapo-Sica
  5. Yswyn Fidian

Geschichte Bearbeiten

28.11.2014 Bearbeiten

Die Gruppe verbrachte eine ungemein erholsame Nacht in Rashims Villa und genoss tags darauf ein reichhaltiges Frühstück mit dem Gastgeber. Der dicke Novadi fragte die Helden frei heraus nach ihren weiteren Plänen.

Der einhellige Tenor besagte, dass man die Stadt eigentlich verlassen wolle. Rashid sehnte sich nach der, seiner Meinung nach wesentlich gehobeneren Kultur der Tulamidenlande, während Aelindir weiterhin von starkem Heimweh geplagt wurde. Die beiden Frauen enthielten sich fürs Erste einer Meinung.

Erst als der verdutzte Gastgeber nachfragte, ob sie nicht ursprünglich vorhatten, der Spur der Drachenaugen nach Trackenborn zu folgen, erinnerte man sich an die mysteriösen Steine, derer man bereits drei besaß. Über Nacht kann man schließlich so viel vergessen.

Rashim al’Fessir, der geschäftstüchtige Novadi, nutzte diesen Umstand sofort um eigene Interessen durchzusetzen und erzählte den Helden von einem Schmuckstück, einer Kette aus Zwergensilber, welche er einem befreundeten Händler in Trackenborn zukommen lassen wollte, die aber niemals dort ankam. Er bat sie, die Ohren und Augen auf dem Weg offen zu halten. Als Belohnung erklärte er sich bereit, die Reisegruppe auszustatten, außerdem stellte er die Kette selbst als Belohnung in Aussicht.

Man unterhielt sich lange über den geplanten Reiseweg und machte sich dann auf den Weg zum Markt, wo Wasserschläuche, Proviant und andere nützliche Dinge für die Reise gekauft wurden. Der Abreisezeitpunkt wurde auf den übernächsten Tag verlegt, da Rashim eine weitere Eröffnung zu machen hatte.

Nachdem sein Ansehen in der Stadt durch die vergangenen Ereignisse um Eisinger und das Gift gelitten hatten, sorgte er dafür, dass Delilah saba Dunjah, seine Tänzerin, einen ihrer bezaubernden Schwerttänze für das Volk aufführen sollte, und zwar auf dem jährlichen Gauklerfest, welches auf den nächsten Tag angesetzt war. Rashim bestand darauf, die Helden seine Gäste nennen zu dürfen. Rashid willigte in der Hoffnung auf etwas kulturelle Zerstreuung ein und die Gruppe folgte.

Schließlich fand man sich auf dem Marktplatz ein, wo bereits eine große Anzahl an Menschen und auch einige Zwerge versammelt war und gespannt auf eine große Bühne starrte, ins Gespräch vertieft war oder sich an den zahlreichen Ständen mit Fressalien bediente.

Auch Rashid gab den vielfältigen Gerüchen nach und kaufte eine gegrillte Hasenpfote, welche er mit Genuss verspeiste. Aelindir wollte es ihm gleichtun und griff beherzt zu, jedoch ohne dafür zu bezahlen. Nur Rashids selbstloses Eingreifen verhinderte eine Eskalation. Der Auelf zuckte nur mit den Schultern, er wollte diese Menschen und ihre Metallscheibchen gar nicht wirklich begreifen.

Auf dem Rückweg zu Rashims Loge entdeckten die Helden eine bekannte Person. Auch Morco Eisinger, der nichtsnutzige Sohn ihres ehemaligen Freundes Ebelfried Eisingers war anwesend. Sein Anblick war erschreckend. Die Augen blutunterlaufen, die Haare fettig und das Gesicht bleich und eingefallen. Als er der Helden gewahr wurde, verfinsterte sich seine Mine zusätzlich.

Rashid konnte der Versuchung nicht widerstehen und flanierte zum Händlersohn, um ihn auf sein schlechtes Aussehen hinzuweisen. Morco bedeckte den Südländer mit einer Tirade aus Vorwürfen und Beschimpfungen, so hatte sich seit der Inhaftierung seines Vaters, der Gesundheitszustand seiner Großmutter rapide verschlechtert, das Geschäft seines Vaters ging den Bach runter, er musste den Hauptteil seines Kapitales aufwenden um Partner zu bestechen, auf dass nicht alle die Verträge kündigten. Rashid belächelte den jungen Mann und auch Aelindir trat hinzu und grüßte freundlich, was die Situation nicht gerade beruhigte. Schließlich traten Morcos Leibwächter vor und Rashid deutete seinen Stockdegen an. Bevor es aber zu Handgreiflichkeiten kommen konnte, trat der Weibel Otmar Seiler dazwischen und verscheuchte die Helden, welche sich unter bösen Blicken und unflätigen Bemerkungen entfernten. Rashim nahm diese Geschichte mit einem befriedigten Grinsen zur Kenntnis.

Dann war die Zeit der Gespräche auch schon wieder vorbei, als sich auf der Bühne endlich etwas tat. Ein kleiner dicker Mann mit einem gewaltigen Schnauzer und einem Zylinder betrat die Bühne, stellte sich als Barbas Fatzmann vor, begrüßte die Zuschauer aus aller Welt, bedankte sich namentlich bei Rashim al’Fessir für die kommende Tanzvorführung seiner Tänzerin und kündigte dann die erste Attraktion an.

Rukus und Pagol Ruttel, zwei junge, rothaarige Männer, eindeutig Zwillinge, betraten die Bühne, verbeugten sich kurz und zogen dann ihre Schwerter blank. Was folgte war eine beeindruckende Abfolge von Schlägen, Sprüngen und Paraden. Viele potentiell tödliche Hiebe wurden geführt, doch ein ums andere Mal perfekt pariert und die Menge staunte und applaudierte.

Danach kündigte Barbas ein Wunder aus dem hohen Norden, dem Land des Bären an – den stärksten Mann der Welt. Der Mann der kurz daraufhin auftrat, war tatsächlich ein Hüne. Er überragte selbst Aelindir und war von der Körpermasse locker das Doppelte. Ein Stiernacken und Oberarme wie Baumstämme, dazu eine Glatze und ein dichter, schwarzer Vollbart. Juri Baerow aus dem Bornland war definitiv eine Erscheinung. Er zerbrach Holzlatten mit seiner Stirn, verbog Eisenschwerter und rang zum Schluss tatsächlich einen ausgewachsenen Bullen nieder. Doch für ihn war das anscheinend nur Aufwärmübung, denn er packte sich kurzerhand einen Zwerg aus der ersten Reihe und stemmte ihn in die Höhe, wo er ihn herumwirbelte. Daraufhin brach ein Sturm der Entrüstung unter den anwesenden Angroschim aus und nur Barbas und die Stadtwache konnten einen Bühnensturm verhindern.

Währenddessen bemerkte Tapo-Sica eine Bewegung hinter sich und ein kleiner blonder Bub wieselte davon. Mit ihrem Drachenaugendiadem. Sie heftete sich an seine Fersen, doch musste ihn gar nicht lange verfolgen, da ihr nach kurzer Zeit ein bekannter Rotschopf entgegen schlenderte, in der einen Hand ihr Diadem, in der anderen den Blonden. Peck revanchierte sich bei der jungen Waldmenschin für den Kuss und gab ihr mit einem entzückenden Lächeln ihren Wertgegenstand zurück, während er den Blonden namens Fips schalt, dass diese Lady nicht bestohlen werden dürfe.

In der Zwischenzeit wurde die nächste Attraktion bereits angekündigt. Ein durchtrainierter Waldmensch vom Stamme der Mohaha war auf die Bühne getreten und präsentierte eine atemberaubende Feuershow.

Danach betrat ein schöner, junger, hochgewachsener Mann mit dunkelblondem Zopf und fein gestutztem Kinn-, und Schnauzbart die Bühne. Er spielte auf einer Leier, sang, reimte, machte Witze und flirtete mit dem anwesenden Weibsvolk. Er verteilte Küsse, Stoffherzen und Rosen und nicht nur eine Dame fiel in Ohnmacht.

Danach war bereits Delilah saba Dunjah mit ihrem Tanz an der Reihe. Aelindir staunte nicht schlecht, als eine Musikgruppe die Bühne erklomm, welche einen Zwerg in ihren Reihen hatte. Dessen Trommeln fanden sich überraschend harmonisch in die Flöten-, und Lautentöne seiner menschlichen Kollegen ein. Delilahs Tanz war magisch wie immer, doch interessanterweise konnten sich sowohl Aelindir, als auch Rashid dem Zauber entziehen, während Luthien begeistert mitwippte und Tapo-Sica sogar zurückgehalten werden musste um nicht die Bühne zu stürmen.

Tosender Applaus, Jubelrufe und Schreie nach Zugaben begleiteten die junge Tänzerin von der Bühne, doch Barbas Fatzmann war unerbittlich. Mittlerweile war es finster geworden und aufgestellte Fackeln tauchten die Bühne in ein dramatisches Spiel aus Licht und Schatten. Der voluminöse Herr der Gaukler kündigte mit bedeutungsschwangeren Worten seine Hauptattraktion an. Den meisterhaften Bogenschützen Yerodin Fidian und seine wunderschöne Tochter Yswyn.

Die beiden verbeugten sich tief und blickten sich kurz aufmunternd in die Augen. Dann betrat Yswyn ein gespanntes Seil in ungefähr 2 Schritt  und balancierte in die Mitte.

Die Menge wartete gespannt ab.

Yerodin nahm seinen Bogen von  der Schulter und legte einen Pfeil an. Aelindir bekam große Augen. Trotz Dunkelheit und Entfernung war er sich hundertprozentig sicher, dass es sich um einen der seltenen Elfenbögen handeln musste, wie auch er selbst einen besaß. Während der Auelf noch rätselte, wie das Rosenohr an solch einen edlen Bogen kommen konnte, begann die Aufführung.

Das junge Mädchen fing geschickt eine Zielscheibe auf, welche Fips ihr zuwarf und hielt sie hoch über den Kopf. Ihr Vater legte den Pfeil an, zielte und traf genau in die Mitte. Yswyn stand bombensicher.

Sie ließ die Scheibe fallen und fing eine neue auf. Dieses Mal hielt sie sie auf ihre linke Körperseite und lächelte dem Publikum auffordernd zu.

Ihr Vater drehte sich ebenfalls zum Publikum um und zog demonstrativ eine Augenklappe über das linke Auge. Vereinzelte Rufe aus der Menge zeigten die Aufregung der Leute.  Doch der Pfeil fand sicher sein Ziel.

Yerodin setzte jedoch noch einen drauf und zog die zweite Augenklappe über das andere Auge. Die Leute hielten den Atem an und viele wurden unruhig. Der Pfeil war zu knapp und raste auf Yswyns Brust zu. Mit einer schnellen Bewegung sprang das Mädchen nach links und auch dieser Pfeil schlug im Bullseye ein. Ihre Gewandheit und Balance beeindruckte die Gruppe ganz besonders.

Nach dieser Vorstellung war das Publikum außer sich, viele waren schockiert, aber noch viel mehr der Anwesenden applaudierte und jubelte Vater und Tochter zu. Doch Yerodin hatte noch nicht genug. Er richtete seinen Blick auf die Menge und fragte mit lauter und starker Stimme, ob ein fähiger und mutiger Bogenschütze unter den Anwesenden zu finden sei.

Natürlich ließ sich Aelindir diese Chance nicht entgehen. Zum einen hielt er sich natürlich für einen äußerst fähigen und mutigen Bogenschützen und zum anderen wollte er den Elfenbogen des Fremden aus der Nähe betrachten.

Aelindir nahm demonstrativ seinen eigenen Bogen und legte einen Pfeil an. Er wartete dass Yswyn wieder eine Zielscheibe präsentieren würde, doch nichts dergleichen geschah, stattdessen drehte sich das Mädchen auf dem Seil um und kehrte dem Elfen und den Zuschauern den Rücken zu. Aelindir ließ den Bogen sinken und blickte Yerodin ratlos an.

Dieser grinste und sprach, mehr zum Publikum als zu Aelindir, dass der nächste Pfeil zielgenau auf Yswyns Rücken geschossen werden soll.

Sekundenlang hätte man auf dem Eslamsplatz eine Stecknadel fallen hören können. Dann brach das Chaos aus. Menschen drängten und schrien, Zwerge wurden geschubst, die Stadtwache und Barbas mussten all ihr Können aufbringen um die Menge wieder zu beruhigen. Tapo-Sica und Luthien waren starr vor Schreck, Rashid beugte sich gespannt nach vorne, als Aelindir den Bogen wieder anhob und die Sehne spannte.

Eine einzelne Schweißperle stahl sich auf die Stirn des ehemals so beherrschten Auelfen und wieder mal ermahnte er sich im Geiste, weniger Zeit mit den Rosenohren zu verbringen. Wenn sich dieses Menschenmädchen zum Spaße ihrer Artgenossen erschießen lassen wollte, so sollte das nicht sein Problem sein. Diese Gedanken zwang er sich auf, als der tödliche Pfeil die Sehne verließ und unaufhaltsam sein Ziel finden würde.

Doch wie durch ein Wunder sprang Yswyn genau rechtzeitig in die Luft, wobei ihre Körperkonturen verschwammen und landete nach einem Salto sicher auf ihren Beinen.

Nun war die Menge nicht zu halten. Die Leute tobten und riefen, applaudierten und weinten, dies war ein Abend den niemand so schnell wieder vergessen würde.

Yerodin klopfte Aelindir aufmunternd auf die Schulter und lächelte den Auelfen herzlich an. Dieser überwand seinen Klos im Hals und fragte den Schützen direkt und unverblümt, wie er an einen der seltenen und wertvollen Elfenbögen gekommen sei.

Yerodin hielt in seiner Bewegung inne und tiefer Schmerz sprach aus seinen Augen, als er den Auelfen eindringlich anblickte. Er stammelte ein wenig, dann straffte er die Schultern und meinte nur, dies sei nicht der Zeitpunkt um über die Vergangenheit zu reden.

Er lud Aelindir ein, mit ihm und den anderen zu feiern, was dieser entgegen seines Wesens erfreut bejahte, da er hoffte, doch noch mehr über den Bogen und die Tochter zu erfahren. Gerade noch erinnerte er sich seiner Gefährten und lud sie kurzerhand ein, mitzukommen.

Yerodin schmunzelte nur.

Wenig später fand sich die illustre Gesellschaft im Gasthaus „Am Großen Fluss“ ein und man trank Bier, Wein (und Wasser), und bestellte einen saftigen Schweinsbraten, für den die Helden zusammenlegten.

Rashid, Lúthien, Tapo-Sica und Aelindir saßen mit Yerodin, seiner Tochter Yswyn und dem kleinen, blonden Fips an einem Tisch. Lärmend und grölend, und beträchtlich dem Alkohol zusprechend feierten die Zwillinge Rukus und Pagol Ruttel mit dem „stärksten Mann der Welt“ Juri Baerow an einem anderen Tisch. Der blonde Sänger Alonzo de Fusca saß mit versteinerter Miene gemeinsam mit den Musikern Adelind, Baldos und Borlox in einer Ecknische und unterhielt sich leise. Der Barde hatte ebenfalls bereits eine Menge getrunken.

Zu Tapo-Sicas und Lúthiens Bedauern war der schöne Waldmensch nirgends zu sehen.

Yerodin und Yswyn mussten sich sofort einer Vielzahl von Fragen stellen, über den Auftritt, über das Woher und Wohin und so weiter. Man lernte sich kennen, unterhielt sich gut und die Zeit verflog. Aelindir versuchte Yswyn über ihr augenscheinliches elfisches Erbe auszufragen, wovon diese aber nichts zu wissen schien. Überhaupt war der Auelf entsetzt über das bisherige Leben der Halbelfe. Sie hatte ihre Heimatstadt Albenhus kaum verlassen, war nie frei durch die Wälder gestreift, hatte nie dem Rauschen des Flusses gelauscht oder war eins geworden mit der Natur. Er erzählte ihr von den fruchtbaren Auen des Oblomon, dem Hochgefühl, die Natur zu spüren und was es bedeutete, ein Teil einer elfischen Sippe zu sein. Yswyn hörte ihm aufmerksam zu und man konnte sehen, dass seine Worte nicht gänzlich an ihr abprallten.

Ein lauter Knall ließ sämtlich Gespräche abrupt verstummen. Juri Baerow war zwar unheimlich stark, viel vertragen konnte er jedoch nicht. Wie immer, wenn der Bornländer Alkohol trank, fiel er kurz darauf in einen komatösen Schlaf. So auch diesmal, wie sein schwerer Kopf auf der Tischplatte bezeugte. Rukus und Pagol reagierten mit brüllendem Gelächter.

Kurze Zeit später wankte Rukus zu den Gefährten und begann die junge Yswyn aufs Derbste anzugraben. Er verlangte ihre Anwesenheit in horizontalen Lagen und untermalte sein Gesuch mit eindeutigen Gesten. Erst jetzt fiel den Helden seine Nase auf. Sie war wohl vor einiger Zeit böse gebrochen worden und niemals richtig zusammen gewachsen. Die Auflösung folgte auf dem Fuße als Yerodin sich erhob und den Betrunkenen Zwilling mit fester Stimme fragte, ob er wirklich riskieren wolle, dass Yerodin ihm noch mehr als nur seine Nase zerschmettern solle.

Rukus spukte auf den Boden, zog es dann aber doch vor zu gehen und verließ torkelnd das Gasthaus. Sein Bruder Pagol blickte noch einen Moment lang herüber und folgte seinem Zwilling schließlich in die kühle Nachtluft.

Yerodin fand sein Lächeln wieder und eröffnete der Gruppe, dass er gleich wieder komme, er wolle nur den müden Fips schlafen legen. Yswyns Vater verließ den Tisch mit dem Buben im Arm, jedoch machte er einen Zwischenstopp bei Alonzo und redete auf den Barden ein. Dieser bekam einen roten Kopf und zischte erregt zurück, doch Yerodin lachte nur und verschwand Richtung Zimmer. Alonzo stierte noch eine Weile ins Nichts, schleuderte dann seinen Becher in die Ecke und folgte dem Vater.

Aelindir fragte Yswyn besorgt, ob es Grund zur Sorge gäbe, doch diese verneinte. Im selben Moment kamen die Musikanten an den Tisch und machten dem Auelfen ihre Aufwartung. Adelind, die Flötenspielerin, erzählte schüchtern, wie begeistert sie von der elfischen Musik sei, dass sie selbst eine Zeit lang unter Elfen lebte und versucht hatte, das Geheimnis ihrer Musik zu erlernen, dass es ihr aber nicht möglich war, ein ähnliches Level zu erreichen. Borlox, der Zwerg, überraschte Aelindir damit, dass er ein großes Verständnis von Harmonie zu haben schien und schnell einigte man sich darauf ein bisschen gemeinsam zu musizieren.

Doch wie bereits im Dörfchen Appelquell versagten dem Auelfen die Töne ihren Dienst und was dabei herauskam war alles andere als elfisch. Die Musikanten blickten ihn ratlos an und in Aelindir sammelten sich Heimweh, Sorge und Ärger und er ließ sich zu einer Beleidigung hinreißen. Er meinte, dass es ihm sowieso unmöglich sei, mit dilettantischen Banausen akzeptable Musik zu produzieren. Schwer geknickt wollten die Musikanten den Tisch verlassen, doch Aelindir gelang es, die Wogen wieder zu glätten.

Mittlerweile war wieder viel Zeit vergangen und Yswyn wunderte sich langsam wo ihr Vater wohl bleiben möge. Sie beschloss nachzusehen und die Helden ließen sich nicht zweimal bitten. Außer Rashid, der blieb bei Wein und Schweinsbraten.

Sie erreichten das Zimmer und erstarrten. In einer viel zu großen Blutlache mitten im Raum lag Yerodin Fidian. Yswyn unterdrückte einen Schrei und stürzte zu ihrem Vater. Sie beutelte ihn, schrie ihn an, weinte und haderte mit den Göttern. Sie krallte sich in Lúthiens Kleid und flehte die Hexe an, etwas zu unternehmen, doch die Helden waren sich einig, hier konnten sie nichts mehr ausrichten. Tapo-Sica nahm Yswyn zur Seite und versuchte erfolgreich die junge Halbelfe wenigstens halbwegs zu beruhigen, während Aelindir und Lúthien die Leiche untersuchten.

Es gab keine offensichtlichen Wunden, erst bei genauerer Betrachtung fanden sie eine tiefe Stichverletzung im Rücken. Mittlerweile war Rashid hinzugetreten und blickte sich im Zimmer um. Er entdeckte eine edle Holzschatulle, welche halb geöffnet unter dem Bett lag und so überhaupt nicht ins ärmliche Zimmer zu passen schien. Auf Nachfrage fand er heraus, dass darin stets der wertvolle Elfenbogen transportiert wurde. Dieser war jedoch nirgends zu finden. Sofort einigte man sich auf einen Raubüberfall, da auch das Fenster im Zimmer mit Gewalt geöffnet worden war.

Yswyn stand zwar unter Schock, doch ihr Denken war dadurch nur wenig beeinträchtigt. Ihr fiel auf dass Fips nicht anwesend war, sondern nur seine rote Glücksmütze. Sie war sich absolut sicher, dass der Kleine niemals freiwillig ohne sie gehen würde. Den Verdacht, Fips könnte etwas mit der grauenvollen Tat zu tun haben, verneinte sie jedoch vehement.

Überhaupt nahm sie die gesamte Gauklertruppe in Schutz. Sie seien doch wie eine Familie. Es gäbe doch wenn überhaupt nur kleinere Geplänkel. Nichts Ernstes.

Nachdem im Zimmer und der näheren Umgebung nichts mehr herauszufinden war, rief man die Stadtwache. Wieder war es Otmar Seiler, der mit einigen Männern anrauschte und augenrollend zur Kenntnis nahm, dass es schon wieder die gleiche Gruppe war, die in Ärger verstrickt war.

Nach einer kurzen Befragung schickte er die Helden nachhause und durchkreuzte ihre Pläne, da er forderte, dass sie bis zur Klärung des Falles in Albenhus zu bleiben hatten.

Die Helden verdächtigten Alonzo de Fusca, aufgrund des Streites und da er Yerodin verfolgte, doch die geschockte Yswyn konnte sich das beim besten Willen nicht vorstellen. Sie war absolut überzeugt vom familiären Zusammenhalt der Gauklertruppe. Außerdem reagierte sie mittlerweile leicht gereizt auf Aelindirs großes Interesse am Elfenbogen ihres Vaters.

Tapo-Sica und Lúthien schlugen vor die Nacht gemeinsam bei Rashim zu verbringen und Yswyn willigte nur zu gerne ein, sie hatte Angst alleine im Gasthaus zu bleiben.

Sehr weit kamen die Helden aber nicht, denn als sie gerade eine enge Gasse passierten, stellten sich ihnen plötzlich drei Schläger entgegen und drohten mit Knüppeln und Dolchen. Von hinten näherten sich weitere drei und die Zeichen standen auf Kampf.

Die sechs angeheuerten Schläger hielten sich nicht mit langen Sprüchen auf, sie sagten nur, dass die Helden einen Denkzettel verpasst bekommen sollten, Yswyn könne gerne verschwinden, doch sie blieb. Daraufhin begann der Kampf.

Lúthien presste sich sofort an die Hauswand und begann sich in Stimmung zu bringen für einen Zauber. Rashid erkannte das und sicherte die Hexe gegen drei der Angreifer ab, während Tapo-Sica das Gleiche auf der anderen Seite tat. Aelindir stellte sich Rücken an Rücken mit Yswyn und riss seinen Bogen von der Schulter und legte den ersten Pfeil auf einen der Schläger an.

Leider riss etwas die Hexe aus ihrer Konzentration und sie verpatzte den vorbereiteten Zauber (Krähenruf: 20!). Der Himmel über der Gasse riss auf, doch statt der erwarteten helfenden Krähen, stürzte zähflüssiger übelriechender Schleim aus dem Limbus. Sofort warfen sich die Helden zur Seite und bedeckten ihre Gesichter. Die angeheuerten Schergen waren nicht so flott und wurden allesamt vom sauren Regen erwischt. Einer rannte sofort schreiend davon, ein zweiter bekam eine große Portion genau in die Augen und brach kreischend zusammen.

Die Bösewichte waren nunmehr plötzlich in der Unterzahl und kämpften mit der Kraft der Verzweiflung gegen die Helden. Aelindir spickte einen Tunichtgut geradezu mit seinen Pfeilen, einen zweiten hielt Tapo-Sica mit ihrer Peitsche auf Abstand.

Lúthien fasste sich ein Herz und probierte den gleichen Zauber ein zweites Mal, während Yswyn ihre liebe Not hatte mit ihrem Gegner. Sie schaffte es zwar den groben Kerl mit ihrem Dolch zu erwischen, jedoch war sie nicht in der Lage ihn ernsthaft zu verletzen und stolperte dann auch noch zu allem Überfluss. Als dann ein zweiter Gegner auch noch in ihre Richtung kam, sah sie sich schon ihrem Vater in Borons Hallen folgen. Doch es sollte anders kommen.

Im Moment größter Aufregung, ihr Gegner erhob gerade seine Keule, leuchteten Yswyns Augen für einen kurzen Moment auf und mit einem Mal ließ der Schläger den Knüppel grinsend sinken. Yswyn, Aelindir und auch der zweite Gegner blickten den Grinsenden verwundert an, doch dieser hatte nur Augen für die Halbelfe. Er half ihr hoch und fragte nach ihrem Befinden, und wieso sie sich so lange nicht mehr gesehen hatten.

Bevor die verwirrte Yswyn reagieren konnte, wurde der plötzlich nette Schläger von seinem Kumpanen angefahren, er solle sich nicht so eigenartig benehmen, sondern die Schlampe endlich aus dem Weg räumen. Daraufhin entbrannte ein wütender Kampf zwischen den zwei Schergen und gemeinsam mit Rashid machten sie den Kerl nieder. Als dann auch noch die Krähen aus dem Limbus brachen und mit schauderhaften Geräuschen auf die verbliebenen Schläger einhackten, war der Kampf so gut wie gewonnen.

Schließlich waren alle geflohen oder lagen in ihrem Blut und man beratschlagte was gerade passiert war und was als nächstes zu tun sei. Yswyns neuer Freund gab ihr bereitwillig Auskunft. So waren sie von Morco Eisinger angeheuert worden, um der Gruppe eine Abreibung zu verpassen. Die Gruppe einigte sich darauf den eigenartigen Typen fortzuschicken und den Tatort rasch zu verlassen.

Am nächsten Morgen, ausgeruht und frisch gewaschen, zumindest alle bis auf Yswyn, die keine angenehme Nacht hinter sich hatte, beschloss man sich aufzuteilen. Während Aelindir und Rashid die aufgebrachte Yswyn zur Wache begleiten wollten, gingen Tapo-Sica und Lúthien in die Stadt um Peck aufzusuchen. Der freche Straßenjunge schien gut informiert über die Vorgänge in Albenhus. Vielleicht konnte er etwas beitragen. Außerdem schien er mit Fips befreundet zu sein.

Während Rashid, Aelindir und Yswyn unbehelligt bis ins Wachzimmer vorgelassen wurden, taten sich die beiden Frauen schwer damit den Knaben zu finden. Schließlich sprachen sie einige Kinder an und fragten direkt nach Peck. Ein Dialog entwickelte sich, in dem beide Parteien aneinander vorbeiredeten. Die Kinder wollten wie so oft bestochen werden und Tapo-Sica bewies, wie so oft, dass sie aus einer gänzlich anderen Welt kam. Als sie dann jedoch relativ verzweifelt Fips‘ Glücksmütze vorzeigten, hatten die Kinder ein Einsehen und führten die zwei Frauen zu einem Geheimversteck, einem alten Keller, wo Tapo-Sica mit Peck über die Lage redete.

Tatsächlich war Fips bei ihm, weigerte sich aber mit irgendwem anderen außer Yswyn zu reden. Der Kleine war wirklich verstört. Tapo-Sica willigte ein, Yswyn zu holen und gab Peck die Mütze.

Peck konnte außerdem erzählen, dass die gesamte Gauklertruppe, ausgenommen der Ruttel-Zwillinge in Gewahrsam genommen wurde und dass die Helden auf jeden Fall verhindern sollten, dass Yswyn ebenfalls festgenommen wird. Tapo-Sica und Lúthien blickten sich entsetzt an und rannten so schnell sie konnten zur Wache.

Dort wurden in der Zwischenzeit Rashid und Aelindir höflich aber bestimmt vor die Tür gesetzt, während Yswyn unter dem Vorwand, mit Alonzo reden zu dürfen, tatsächlich bis auf weiteres festgehalten wurde.

Nun war guter Rat teuer. Die Gruppe vereinte sich vor der Wache und besprach die Neuigkeiten. Tapo-Sica beschloss, Peck von ihrem Misserfolg zu berichten. Dieser versprach vor Ablauf einer Stunde Informationen zu beschaffen, die vielleicht helfen konnten. Also wartete man.

Nach ziemlich genau 55 Minuten wurde Lúthien plötzlich von einem Apfel getroffen. Ein schmutziges Kind stand im Schatten einer Seitengasse und winkte die Helden nervös heran. Es erzählte ihnen, dass ein bestimmter patrouillierender Gardist für Alkohol alles tun würde und dass die Helden diese Schwachstelle vielleicht ausnützen könnten.

Rashid und Aelindir machten sich auf die Suche und fanden den Mann nach kurzer Zeit. Hochroter Kopf und geschwollene Nase. Sie kauften billigen Fusel an einem Stand und setzten sich vor der Wache auf den Boden und zeigten simuliertes Trinken. Tatsächlich kam der Gardist neugierig näher und fragte nach dem Inhalt. Da die zwei jedoch nur Bitterwein und Hornenfurter Lebensquell anzubieten hatten, wurde nichts aus dem eigentlich nicht vorhandenen Plan. Der Gardist verscheuchte die zwei „Trinker“ schließlich und merkte noch an, dass er alles für einen „Blauen Punsch“ täte. Eine Rumsorte, welche gut und gerne über Fünf Dukaten kostete.

Desillusioniert griff Rashid zur Waffe und wollte die Garde überfallen, doch den Göttern sei Dank kam irgendjemandem noch die Idee erst einmal bei Rashim al‘ Fessir nachzusehen.

Der Tulamide und der Auelf fanden sich also ein weiteres Mal in der Unterkunft ein, steuerten zielstrebig den Keller an und entdeckten tatsächlich zwei Flaschen des teuren Getränkes.

Fortsetzung Bearbeiten

07.12.2014 Bearbeiten

Aelindir und Rashid überlegten kurz, ignorierten aber schließlich die leisen Stimmen in ihrem Kopf und steckten den teuren Alkohol einfach ein. Problemlos verließen sie das Haus und trafen sich mit ihren Begleiterinnen vor der Stadtwache. Man überlegte hin und her, wie man den blauen Punsch, den man gerade seinem zuvorkommenden und wohlwollenden Gastgeber gestohlen hatte, am besten einsetzen sollte und was man überhaupt erreichen wolle.

Schließlich nahm ihnen das Schicksal die Entscheidung ab, indem der süchtige Wachmann wieder vorbei kam und die Helden verwundert ansprach, da sie scheinbar immer noch am gleichen Fleck waren, wie bei ihrem ersten Treffen.

Rashid ließ mit einem verschmitzten Grinsen die Flasche „Blauer Punsch“ aufblitzen und sofort bekam der Gardist einen wässrigen Mund. Man konnte sofort erkennen, dass er diese Flasche um jeden Preis haben musste.

Leider war die Gruppe nur wieder einmal nicht vorbereitet und so wusste man nicht, was genau man im Gegenzug dafür verlangen sollte. Das Gespräch kam dann jedoch auf die inhaftierte Gauklertruppe und dass das Begräbnis des ermordeten Yerodin Fidian auf unbestimmte Zeit verschoben wurde, da der frei herumlaufende Mörder eine zu große Gefahr darstelle. Die Gruppe bürgte für Yswyns Unschuld und machte ihre Befreiung zum Sujet der Verhandlung und der Säufer versprach, den diensthabenden Gardisten Stoltzmann abzulenken, um im Gegenzug zur begehrten Ware zu kommen. Man wurde handelseinig, die Flasche wechselte den Besitzer und die Gruppe marschierte wenige Minuten später ins Gebäude.

Sie wurden nicht enttäuscht. Der große Schreibtisch lag verwaist vor ihnen und an der Wand hing – ein großer Schlüsselbund. Sofort machten sich Lúthien und Tapo-Sica auf den hinteren Bereich des Gebäudes zu erkunden, wo Aelindir leises Gewimmer hören konnte, während er mit Rashid Schmiere stand und die anderen beiden Türen bewachte. Die Frauen erreichten einen Zellentrakt, wo die Gaukler vor sich hin vegetierten. Rukus und Pagol Ruttel waren nicht dabei. Dafür dürfte Alonzo de Fusca eine besondere Behandlung hinter sich haben, sein Gesicht war aufgequollen und seine Augen gerötet. Das jämmerliche Gewimmer stammte jedoch nicht von ihm, sondern von Juri Baerow. Der stärkste Mann der Welt saß allein in seiner Zelle und schluchzte hemmungslos.

In der letzten Zelle fanden sie schließlich die junge Halbelfe Yswyn. Sie mussten einige Schlüssel ausprobieren, ehe sie den passenden fanden. Währenddessen konnte Aelindir mit seinem übermenschlich guten Gehör Schritte und Stimmen erkennen. Sie bewegten sich auf sie zu. Er setzte Rashid in Kenntnis und sofort wurde der Plan gefasst die Tür zu verbarrikadieren. Dazu mühten sich die zwei Männer mit dem schweren Schreibtisch ab, schafften es aber dann, die Türe zu blockieren. In der Zwischenzeit wurden die drei Frauen noch vom Zwergentrommler Borlox aufgehalten, der verlangte, ebenfalls freigelassen zu werden. Man vertröstete ihn auf später und hetzte zurück in die Haupthalle, wo eben ein Rütteln und Klopfen an der verbarrikadierten Türe einsetzte.

Schnell wie der Wind verließ die Gruppe das Wachgebäude und hetzte weiter zu Pecks Geheimversteck. Während Lúthien den Weg nicht mehr fand, war es gerade das Mädchen aus dem Dschungel, welches sich im Straßengewirr zurechtfand und die Gruppe zu den Kindern führte.

Dort angekommen, gab es ein tränenreiches Wiedersehen zwischen Fips und Yswyn und die Gauklerin schaffte es, einen Bericht der Mordnacht aus dem kleinen Blondschopf herauszubekommen.

Tatsächlich war es Pagol Ruttel, der das Fenster aufbrach und Yswyns Vater hinterrücks erstach. Fips erzählte, dass Pagol im Nachhinein wirkte, als wäre er selbst erschreckt über seine Tat und dass er schnell den wertvollen Elfenbogen einsteckte, bevor er Hals über Kopf floh. Der kleine Fips war blitzschnell unter das Bett geschlüpft und hatte den Atem angehalten. Dann sprang auch er aus dem Fenster und rannte weinend durch die Straßen, ohne zu wissen wohin, bis er schließlich von Peck und seiner Bande aufgegriffen wurde. 

Die Gruppe, allen voran Yswyn, war schockiert. Seit Jahren traten sie gemeinsam auf, sie standen füreinander ein, waren wie eine Familie. Dieser Schlag traf sie aufs Neue sehr hart.

Rashid war etwas nüchterner und überlegte laut, wie man diesen Bericht nützen könnte. Er machte relativ emotionslos klar, dass die Zeugenaussage „eines drreckigen Strrraßenkindes niemanden beeindrucken wirrrrd“. Auch sonst verängstigten die Aussagen der Gruppe den kleinen Fips ziemlich, so dass er Yswyn anflehte nicht weiter mit diesen schrecklichen Menschen durch die Gegend zu ziehen. Yswyn versprach Fips, dass sie Pagol stellen und Fipsens Sicherheit gewährleisten werde und dass er ihr vertrauen müsse.

So trennte man sich fürs Erste vom einzigen Zeugen und machte sich daran, den Täter und seinen Bruder zu finden. Yswyn wusste zu berichten, dass die Ruttels in der Fischerstadt, dem heruntergekommensten Stadtviertel Albenhus‘ aufgewachsen sind, und dass ihre Suche dort beginnen sollte. Man erreichte nach kurzer Zeit das Haus der Tante Ruttel und klopfte kurzerhand an. Yswyn, welche sich im Vorfeld verkleidet hatte, um nicht wieder in die Hände der Wachen zu fallen, stellte sich als alter Freund vor und gab vor, Pagol und Rukus sehen zu wollen. Die Tante, eine ältere, dickliche und nicht mehr ganz für voll zu nehmende Frau, ereiferte sich sofort über die Tatsache, dass sie selbst schon seit geraumer Zeit nichts mehr von den Bengeln gehört hätte und dass Yswyn, sollte sie ihrer habhaft werden, sie umgehend zu ihr schicken solle.

Diese Spur war also kalt. Rashid, der die Alte eingehend beobachtet hatte, war jedoch felsenfest davon überzeugt, dass sie ihnen beinhart etwas vorlog (Menschenkenntnis: 20!). Er beschloss also das Haus zu observieren. Aelindir schloss sich seinem Gefährten an.

Die drei Frauen wanderten jedoch weiter, in der Hoffnung bei einem der Jugendfreunde der Ruttel-Brüder vielleicht mehr Glück zu haben.

Aelindir wollte die überzeugten Anschuldigungen seines Gefährten in der Zwischenzeit überprüfen und lehnte seine Stirn gegen die kalte Hausmauer, während er sich in eine Melodie versenkte und ruckartig die Augen aufriss. Leider war seine Konzentration durch den vielen Stein und die Menschen um ihn empfindlich gestört und sein Zauber schlug katastrophal fehl. Für gefühlte Ewigkeiten sah er nichts mehr außer dem Grau der Mauer. (Penetrizzel: 20!)

Lúthien, Tapo-Sica und die vermummte Yswyn klopften derweilen bei Loras Haimer an, von dem die Gauklerin wusste, dass er einer der engsten Freunde der Ruttels ist. Der Gesuchte öffnete die Tür einen Spalt und fragte missmutig nach ihrem Begehr. Als Yswyn nach den Brüdern fragte, blockte der Mann ab und wollte ihr die Tür vor der Nase zuschlagen, doch sie konnte das verhindern und die Frauen stürmten ins Haus. Loras trat die Flucht an und wollte gerade durch ein Fenster springen, als Yswyn plötzlich wieder auf unerklärliche Weise beschleunigte und den überraschten Loras niederwarf. Sofort waren die Hexe und das Waldmenschenmädchen bei ihr und gemeinsam fesselten sie den Kerl und stopften ihm Lúthiens Leinentaschentuch in den Mund. Sie durchsuchten das obere Stockwerk, fanden aber außer einem dicken schlafenden Mann und zwei Rahja huldigenden Personen nichts von Interesse. Also drohten sie dem abergläubischen Loras mit den schlimmsten Verzauberungen, wenn er nicht wahrheitsgemäß auf ihre Fragen antwortete. Mit Angstschweiß auf der Stirn gab der Mann schließlich zu, dass Pagol und Rukus bei ihm waren, dass sie die Stadt aber bereits vor Stunden Richtung Süden verlassen hatten.

Die Frauen ließen den Gefesselten zurück und brachten ihre männlichen Begleiter auf den neuesten Stand. Aelindir blinzelte verwirrt und Rashid versuchte noch einmal auf die verdächtige Tante Ruttel hinzuweisen, doch schließlich begab man sich schnurstracks zum Südtor.

Dort erwartete die Gruppe aber schon die nächste Hürde. Eine gewaltige Traube aus Menschen und Fuhrwerken deutete daraufhin, dass die Stadtwache die Tore dich gemacht hatte. Die nächsten Stunden wurden, gemäß der Philosophie der Gruppe, grübelnd über möglichen Plänen verbracht. Schließlich entschloss man sich, des Nachts über die Mauer zu klettern. Dazu wählte man einen Wachturm, der etwas abseits stand und erkundete die Lage. Gerade als die Helden, ihr Seil von der Mauer werfen wollten, merkten sie wie sich eine Person näherte. Lúthien bot an, die Person zu betören, um der Gruppe genug Zeit zu verschaffen. Um nichts dem Zufall zu überlassen, stach sich die Hexe in ihren Finger und benetzte mit dem vorquellenden Blut ihre Lippen, ihr Haar und ihre Brust. Sofort steigerte sich ihre begehrliche Ausstrahlung um ein Vielfaches. Doch dann, der Schock – Die patrouillierende Person war eine Frau. Die Helden seufzten, doch Lúthien gab nicht so schnell auf, sie wusste um ihre Wirkung und trat forsch auf den Wachgang.

Sofort erhob die Gardistin ihre Laterne und ihr Schwert und verlangte zu wissen, wer sich hier rumtreibe. Die Hexe gab an einen Wachmann zu suchen, mit dem sie verabredet wäre, doch die Gardistin reagierte höchst unwirsch auf so ein Pflichtversäumnis. Daraufhin änderte Lúthien ihre Taktik und versuchte die Gardistin mit ihrem Wissen über Liebesdinge zu beeindrucken und darüber wie man Männer verführe. Die Gardistin war über alle Maßen verwirrt und skeptisch, doch Lúthien legte sich enorm ins Zeug (Charisma: 1!) und konnte die Gardistin schließlich davon überzeugen mit ihr in den Rahjatempel zu gehen, um geheime Verführungskünste zu lernen.

Etwas ratlos blickten die Anderen ihrer Gefährtin hinterher, beschlossen dann aber dass das Ziel wichtiger als die Einzelperson ist und ließen die Hexe kurzerhand zurück (Fenrox lässt grüßen) und machten sich an den Abstieg. Tapo-Sica landete sicher auf ihren Füßen, auch Aelindir hatte kein Problem, Rashid konnte sich jedoch nicht halten und stürzte die drei Schritt zu Boden, wo ein lautes Knacken von einem bösen Knöchelbruch zeugte. Tapo-Sica kramte sofort ihre Heilkräuter und Verbände heraus, doch Aelindir war schneller. Er umfasste den angeschwollenen Knöchel und sang einige Worte auf Isdira und bevor Rashid noch protestieren konnte, fügten sich die Knochensplitter in seinem Bein wieder zusammen und die Schwellung ging komplett zurück.

Lúthien erreichte derweilen mit der Gardistin, die sich in der Zwischenzeit als Jadwine Mullmann vorgestellt hatte den Rahjatempel und wurde freundlich von der Geweihten empfangen. Die Hexe war nun etwas unsicher im Angesicht der göttlichen Rahja und auch Jadwine Mullmann wurde nervös, doch die Hexe stand an diesem Abend unter dem wohlwollenden Auge der schönen Göttin und so zwinkerte die Geweihte der Hexe verschwörerisch zu und nahm sich der verwirrten Gardistin an. Lúthien ließ sich diese Chance nicht entgehen und rannte wieselflink zur Mauer zurück, wo sie sich sofort an den Abstieg machen wollte. Leider passte sie dabei nicht gut genug auf und stürzte schwer (Klettern: 20!) Ihr Aufprall war noch härter als Rashids zuvor und ließ sie mit einem zertrümmerten Becken zurück. Ihre Gefährten hörten ihren spitzen Schrei und eilten zurück, wo Aelindir zweimal versuchte die magische Heilung zu wiederholen, doch angesichts der Tatsache, dass bestimmt auch die Wachen den Schrei der Hexe gehört hatten, wollte es ihm einfach nicht gelingen. Der Auelf verfluchte aufs Neue die Menschen mit ihren Steinstädten.

Tapo-Sica und Aelindir entschließen sich dazu, Lúthien wegzutragen, um ihre Verwundung zu versorgen, doch rutscht ihnen die Hexe, welche nicht mithelfen konnte, weg und landet unsanft auf dem Boden. Einen weiteren Schmerzensschrei unterdrückt sie jedoch tapfer. Schließlich ignorierte Tapo-Sica die Gefahr und benutzte ihre Heilkräuter um Lúthiens Becken notdürftig zu stabilisieren. Die Waldmenschenfrau hatte die Idee eine Trage zu bauen, doch sowohl ihre, als auch Aelindirs Versuche scheiterten. So beschlossen die Helden auf Yswyns Drängen hin schweren Herzens, die Verfolgung getrennt voneinander fortzusetzen. Rashid schlug mit Lúthien ein Nachtlager im Schutze des nahen Waldes auf während Aelindir, Tapo-Sica und Yswyn die Nacht durchlaufen wollten. Sie folgten dem Weg nach Süden und Aelindir war sich absolut sicher, dass es keinerlei Spuren geben könne (Intuition: 20!). Nach mehreren Stunden des Gewaltmarsches machten sich bei Tapo-Sica und Yswyn Ermüdungserscheinungen breit, während der Auelf sehr gut mit seinen Kräften haushielt. Tapo-Sica brach schließlich erschöpft zusammen und auch Yswyn machte den Eindruck, doch mit einem Mal brach wieder ihr astrales Talent durch und die Halbelfe zischte davon (Selbstbeherrschung: 20-1-1). Aelindir war nun hin und hergerissen, da er aber Yswyn nicht erreichen konnte, wachte er über die eingeschlafene Tapo-Sica.

Am nächsten Tag bemerkte Yswyn zwei Gestalten, welche ihr entgegen kamen. Ihre anfängliche Sorge, es könnte sich um die Ruttel-Brüder halten, entpuppte sich jedoch als haltlos, da die zwei ein Pferd dabei hatten und schon von weitem freundlich grüßten. Sie stellten sich als Vater und Sohn vor, welche auf dem Weg nach Albenhus waren, um ihr Pferd zu verkaufen. Kurz versuchte Yswyn ihnen das Pferd abzukaufen, doch die Vorstellungen der Parteien lagen um etwa sechzig Dukaten auseinander. So empfahl der Händler der erschöpften Halbelfe nur noch, bei seiner Frau auf der Pferderanch einzukehren um sich zu erholen. Ein weiteres interessantes Detail hatte der Mann jedoch noch: Yswyn war nicht die erste Reisende, auf welche er getroffen war. Vor einigen Stunden kamen ihm rothaarige Zwillinge entgegen, welchen er dieselbe Empfehlung ausgesprochen hatte. Yswyn bedankte und verabschiedete sich und beschloss nun eine Rast einzulegen, um ihren Gefährten die Chance zu geben, aufzuschließen. Außerdem war sie völlig fertig.

Rashid und die erholte Hexe hatten sich derweilen ebenso auf den Weg gemacht und konnten im Laufe des Tages Aelindir und Tapo-Sica einholen. Der Elf sprach noch einmal einen Heilzauber auf die Hexe. Gemeinsam begegnete man dem Pferdehändler, erhielt ähnliche Informationen und traf kurze Zeit später auch auf Yswyn. Die Gruppe war wieder vereint.

Das nächste Ziel war natürlich die Ranch der Pferdehändler, welche man auch problemlos fand. Nun standen die Helden auf dem Pfad und wussten nicht recht weiter. Was würde sie auf der Ranch erwarten? Wie sollte man die Ruttel-Brüder konfrontieren? Fragen über Fragen und keine Antworten in Sicht.

Aelindir und Tapo-Sica, mehr der Natur verbunden als den Menschen, wollten das Gelände schleichend erkunden, während Rashid, Lúthien und Yswyn, zivilisiert wie sie sind, direkt auf das Tor zusteuerten und anklopften. Es öffnete eine rüstige Mittvierzigerin, mit freundlichen aber misstrauischen Gesichtszügen und einer strengen Hochsteckfrisur und fragte nach dem Begehr. Rashid und Lúthien konnten erkennen, dass es sich um eine sehr ehrliche, geradlinige Frau handelte, die aber kürzlich etwas Negatives erlebt haben dürfte. Yswyn hingegen bekam sofort ein schlechtes Gefühl und wollte ihre Gefährten zum Gehen bewegen.

Gleichzeitig wurden die herumstreunenden Aelindir und Tapo-Sica von einem Pferdeknecht erwischt, welcher mit drohend erhobener Mistgabel näher kam und wissen wollte, warum sie sich hier herumtreiben. Die zwei kamen etwas in Erklärungsnot, doch konnten sie schließlich glaubhaft machen, dass sie Unterkunft benötigten. Der Knecht war zufrieden damit und schickte sie zur Vordertür. Er merkte aber auch an, dass er hoffe, dass sie nicht solche Gäste wären, wie die Zwillinge, welche gerade erst hier waren.

Aelindir und Tapo-Sica wurden hellhörig und die Waldmenschenfrau ließ sofort ein Eulengeräusch erklingen, was den Knecht gehörig verwunderte.

Yswyn, Rashid und Lúthien hatten gerade ein Zimmer bezogen, als sie das Geräusch hörten und überrascht aus dem Fenster blickten. Aelindir und Tapo-Sica gestikulierten wild herum und bedeuteten ihren Gefährten, sie mögen rasch zu ihnen stoßen. Auf dem Weg stießen sie fast mit der Hausherrin Vanja Rubenlauf zusammen, die ihren neuen Gästen einen Umtrunk zur Erfrischung anbieten wollte. Rashid und Yswyn entschuldigten sich und merkten an, sie wollen nun doch nicht bleiben, was Vanja die Gesichtszüge entgleisen ließ. Lúthien wahrte ein Mindestmaß an Anstand und stieß noch mit der Gastgeberin an, bevor sie ebenfalls das Haus verließ.

Die Helden erfuhren, dass die Ruttel-Brüder tatsächlich hier waren, sich aber daneben benahmen und kein Geld dabei hatten und deshalb des Hofes verwiesen wurden. Sofort begannen sie nach Spuren zu suchen und fanden tatsächlich frische Fußspuren von drei Personen, die quer über die Pferdekoppel in den Wald führte. Sie folgten der Spur durch das Gehölz, bis sie an eine Hütte kamen. Diese war nicht sehr groß und hatte keinerlei Fenster. Aelindir pirschte sich geschickt an, umrundete die Hütte und kam zurück. Er konnte kein Lebenszeichen entdecken und drum stürmten die Helden, des Verfolgens müde, die Hütte.

Sie fanden zwei karg eingerichtete Zimmer vor. Ein Bett, ein morscher Tisch mit Stühlen, nichts Aufregendes. Doch auf dem Bett lag – einladend – der Elfenbogen von Yswyns Mutter. Sofort nahm sie ihn an sich und ein wohliges Gefühl durchströmte sie. Sie hatte einen Teilerfolg errungen und ein wichtiges Stück ihrer Familiengeschichte erlangt.

Die Freude währte jedoch nur kurz, denn mit einem ‚Rumms‘ wurde die Tür zugeworfen und ein hässliches Lachen und eine derbe Verwünschung kündeten vom Auftreten der Ruttel-Brüder. Die Tür war verbarrikadiert und ein eigenartiges Knistern ließ nichts Gutes vermuten.

Schon wurde die Luft in der Hütte dünner und Rauch drängte durch die Ritzen. Die Bastarde wollten sie mitsamt der Hütte verbrennen. Die Helden wurden unruhig. Die erste Idee war das wenig stabile Dach genauer zu untersuchen. Aelindir, der größte der Gruppe, stemmte sich dagegen und konnte es tatsächlich ein wenig anheben. Doch auf diese Art konnte er nicht genug Druck aufbauen. Also nahm er Tapo-Sica auf die Schultern und das Waldmenschenmädchen stemmte das Dach in die Höhe. Rashid und Lúthien hoben derweilen Yswyn hoch und die Gauklerin klemmte einen Stuhl in die entstandene Öffnung. Nun versuchten beide Frauen von ihren erhöhten Positionen in die rettende Freiheit zu klettern, doch scheiterten kläglich. Beide rutschten ab und stürzten schwer auf den harten Holzboden (Klettern: 20!). Tapo-Sica zog sich eine schmerzhafte Prellung an der Hüfte zu und blieb schmerzerfüllt liegen. Panik machte sich breit.

Nun nahm Rashid das Heft in die Hand und startete einen weiteren Versuch durch die Öffnung zu klettern. Er schaffte es und sprang in die Freiheit, wo er sich geschickt im weichen Gras abrollte. Doch er hatte vergessen ein Seil für seine Gefährten mitzunehmen. Kurz dachte der Tulamide nach, als seine Gruppe wie aus einem Mund brüllte, er solle einfach die Türe öffnen. Gesagt getan und kurz darauf lagen sie alle hustend und spuckend und schwarz vor Ruß und Staub im weichen Moos und atmeten einige Minuten kräftig durch. Das war knapp!

Nun waren sie heiß. Niemand durfte die Helden einfach so verbrennen. Sie rannten zurück zur Pferderanch, zum Äußersten bereit, obwohl alle ziemlich geschwächt und verletzt waren. Dort angekommen folgten sie einer Blutspur in die Scheune, wo sie den tödlich verletzten Pferdeknecht fanden. Er presste nur noch ein paar Worte hervor, bevor sein Blick brach: „Rudber… Die Zwillinge… Rettet Vanja!“

Die Helden betraten mit gezogenen Waffen die Hauptkammer, wo die Zwillinge bereits warteten. Yswyn sah rot und rannte mit ihrem Dolch ohne zu zögern auf Pagol Ruttel zu, welcher mit gezogenem Schwert und einem entschlossenen Lächeln bereits auf sie wartete.

Lúthien wollte sie unterstützen und Rashid griff den anderen Bruder mit seinem Stockdegen an. Aelindir feuerte sofort einen Pfeil auf Rukus, welcher ihn um ein Haar getötet hätte, doch er riss ihm nur das Ohr ab. Der Kampf wogte hin und her, Rashid konnte Rukus gut beschäftigen und durch die rücksichtslose Pfeilunterstützung Aelindirs (der Elf ignorierte die Tatsache, dass Rashid eigentlich in der Schussbahn kämpfte), konnte er ihn tatsächlich besiegen. Ein weiterer Pfeil in seinem Waffenarm verlangsamte Rukus empfindlich und ermöglichte Rashid einige Treffer durch dessen Verteidigung und schickten den rothaarigen Zwilling schließlich bewusstlos zu Boden.

Schon die ganze Zeit konnten die Helden schreckliche Schreie aus dem Nebenraum hören, doch interessierte sich keiner dafür. Tapo-Sica jedoch ahnte Übles und sprang über die Theke, die sie von der Tür zum Nebenraum trennte. Leider gelang ihr das mit der verletzten Hüfte nicht sehr gut und sie stürzte mehr als dass sie sprang. Dennoch erreichte sie kurz darauf den Raum, riss die Türe auf und erblickte einen hässlichen Kerl, der sich mit heruntergelassener Hose an der gefesselten Vanja zu schaffen machte. Entschlossen packte das Mädchen ihren Speer und warf ihn mit Gewalt in Richtung des Vergewaltigers. Das war jedoch keine so gute Idee, denn sie verfehlte den Mann deutlich und hatte damit auch das Leben der Frau gefährdet.

Rudber, der Vergewaltiger fuhr herum und zog seinen Knüppel, während er seinen … anderen Knüppel wegpackte. Tapo-Sica entrollte ihre Peitsche und ließ sie dem Mann ins Gesicht knallen, was ihn erfolgreich auf Abstand hielt.

Währenddessen konnte Yswyn ihrem Gegner nur kleine Kratzer beibringen, während der geübte Schwertkämpfer sie schwer verletzte. Ein harter Streich traf ihren linken Arm, ein weiterer ließ sie stolpern und einige weitere Treffer schlugen ihr ihren Dolch aus der Hand und schickten sie schließlich kampfunfähig zu Boden. Mit letzter Kraft schleppte sie sich aus dem Gefahrenbereich. Rashid und Aelindir unterstützten Lúthien, nachdem Rukus keine Gefahr mehr darstellte. Tapo-Sica konnte es nicht fassen, dass keiner ihrer Gefährten der Frau im Nebenraum helfen wollte.

Als Pagol sah, dass sein Bruder niedergemacht worden war, kämpfte er mit dem Mut der Verzweiflung. Er fügte seinen Gegnern schwere Wunden zu, hackte Rashid tief in den linken Arm und fällte den Tulamiden dann mit einem stark blutenden Kopftreffer. Aelindir hatte mittlerweile seinen Säbel gezogen und lieferte dem jungen Mann einen ansehnlichen Zweikampf. Lúthien stellte für den Schwertkämpfer nicht viel mehr als eine Ablenkung dar. Vielleicht war es jedoch genau diese Ablenkung, die es Aelindir erlaubte, Pagol zuerst einmal schwer am Waffenarm zu verletzen und ihm dann mit einem letzten brutalen Schlag das rechte Bein abzuschlagen. Bewusstlos ging er zu Boden.

Währenddessen war es auch Tapo-Sica gelungen den Vergewaltiger zu stellen. Er ergab sich und flehte um Gnade. Sie fesselte ihn und befreite Vanja. Die Hausherrin nahm die kleine Waldmenschenfrau fest in die Arme und bedankte sich mit Tränen in den Augen. Sie erklärte, dass es sich bei dem Vergewaltiger um den ehemaligen Knecht Rudber handelte. Er fiel leider nur durch Alkoholeskapaden und Diebstahl auf und wurde deshalb entlassen. Sein Motiv war Rache.

Nachdem Rashid und Yswyn wieder halbwegs hergestellt waren, wurden auch die Zwillinge erstversorgt und gefesselt. Yswyn befragte Rukus, als er wieder zu Bewusstsein kam. Der Ruttel-Bruder mit der zerschmetterten Nase erklärte Yswyn, dass Pagol die jahrelangen Schmähungen und Demütigungen Yerodins nicht mehr ertrug. Durch jahrelangen Frust und zu viel Alkohol entstand diese Kurzschlusshandlung und Pagol hoffte durch die Entwendung des Elfenbogens den Anschein eines normalen Raubmordes zu erwecken. Dennoch war den Zwillingen klar, dass sie zu den Verdächtigen gezählt wurden und so entschieden sie sich für die Flucht.

Die Helden mussten dann noch Vanja davon abhalten Selbstjustiz an Rudber zu verüben.

Am nächsten Tag kam Ron, Vanjas Ehemann zurück und nachdem er ins Bilde gesetzt wurde, erklärte er sich bereit die Helden mit ihren Gefangenen nach Albenhus zu bringen.

Dort angekommen, sorgten die Helden dafür, dass die Übeltäter ihre gerechte Strafe bekamen. Rukus wurde zu lebenslanger Haft und Zwangsarbeit in den Minen verurteilt, der einbeinige und an Wundbrand erkrankte Pagol zum Tode durch den Strick. Der Vergewaltiger Rudber bekam durch Rons Verbindungen in Albenhus eine „spezielle“ Behandlung im Gefängnis, wo die Helden lieber nicht weiter nachfragten. Die Gaukler wurden freigelassen und nun stand nur noch eine schwere Prüfung für Yswyn an.

Das Begräbnis ihres Vaters.

Gemeinsam mit ihren neuen und alten Gefährten fand sie sich am örtlichen Boronanger ein und ein Geweihter der Travia sprach in Ermangelung eines Boroni die Grabrede:

„Das Leben wird gegeben und es wird genommen,
manchmal erscheint es uns ungerecht und

hinterlässt eine Welt des Schmerzes,
doch Trost vermag uns das Wissen verschaffen, dass ein jeder Gläubige,
Ruhe und Frieden findet in Borons letzter Umarmung.
In seinen Hallen werden Liebende vereint und Feindschaften beigelegt.

Requiescate in Pace.“

Yswyn blickte ihren Vater an, bis der offene Sarg geschlossen und im Erdreich versenkt wurde. Dann schüttete sie symbolisch die erste Erde ins Grab und verabschiedete sich von ihrer letzten verwandten Person auf der Welt.

Nach der Zeremonie trat Barbas mit Fips auf die Gruppe zu. Seine Augen waren gerötet und der kleine Fips umarmte Yswyn schluchzend. Yswyn eröffnete dem ehemaligen Akrobaten, dass sie nicht mehr in Albenhus bleiben könne und mit ihren neuen Gefährten weiter ziehen werde. Aelindir, Rashid, Tapo-Sica und Lúthien nickten stumm.

Fips schluchzte und weinte und flehte die Halbelfe an zu bleiben oder ihn mitzunehmen, doch Yswyn machte ihm klar, dass das unmöglich sei, sie sich aber bestimmt wiedersehen werden. Barbas nickte der Halbelfe gefasst zu. Ihm war ihre Entscheidung nur zu verständlich. Er gab an, sich um Fips zu kümmern und wünschte der Gauklerin alles Gute.

Nächstes Abenteuer: Der Inquisitor