FANDOM


Die Einsiedlerin
Meister: Patrick
SpielerInnen: Bernie, Bine, Luc, Resi, Tommi
HeldInnen: Aelindir, Lúthien, Said, Tapo-Sica, Caya
Zeitraum: 8. Efferd 999 BF - 13. Efferd 999 BF
Termin(e): 17.5.2014, 29.5.2014

Die Einsiedlerin ist das zweite Abenteuer der Spielstein-Kampagne. Die vier zusammengewürfelten Helden erreichen das Dorf Appelquell, treffen eine neue Mitstreiterin und erforschen seltsame Vorkommnisse im Tal der Trolle.

Voriges Abenteuer: Der Alchemyst

Hauptcharaktere Bearbeiten

  1. Aelindir Abendblüte
  2. Lúthien Melwasúl
  3. Said ibn Emir
  4. Tapo-Sica
  5. Caya Fuxfell

Geschichte Bearbeiten

17.05.2014 Bearbeiten

Der Einmarsch der Gruppe im kleinen Dörfchen Appelquell war triumphal. Aelindir Abendblüte, Tapo-Sica, Lúthien Melwasúl und Rashid ibn Allam wurden von allen Seiten bestürmt, mussten Hände schütteln, Umarmungen über sich ergehen lassen und immer und immer wieder von der Rettung der Kinder und dem Sturz des Burgherren erzählen.

Im Dorf angekommen, wurde sogleich eine große Festtafel aufgestellt, ein Schaf geschlachtet und gebraten und zwei Musikanten spielten zum Tanze auf. Schüchtern wandten sie sich an den hochgewachsenen Auelfen und erbaten die Gunst, durch seine musikalischen Künste in ihrem Tun unterstützt zu werden. Aelindir, dem die vergleichsweise emotionslose Musik der Menschen sowieso kaum geeignet erschien, seinen empfindlichen Ohren zu schmeicheln, willigte sofort ein und kramte sein Iama, seine Seelenflöte hervor. Leider hatte er sein Flötenspiel in den vergangenen Wochen doch sehr vernachlässigt und so schlichen sich einige Misstöne in seine Melodie. Die menschlichen Musikanten blickten peinlich berührt zu Boden und applaudierten verhalten.

Lúthien wollte ihrem Gefährten zu Hilfe kommen und so beschloss die Schöne der Nacht, die Dorfbewohner mit ihrem Gesang abzulenken. Leider traf sie ebenso wenig die richtigen Töne. Während Aelindir nun erstmal die Abgeschiedenheit des Waldes suchte, störte sich die Hexe nicht im Geringsten an den Blicken der Dörfler und stürzte sich mit ihren Gefährten auf das gerichtete Festmahl. Auch Aelindir fand sich kurze Zeit später am Tisch ein.

Während dem Essen machte die Gruppe eine besondere Person unter den Einwohnern aus. Ein junges, blondes Mädchen mit auffällig dunklen Augen wollte so gar nicht zu den einfachen Bauernsöhnen und –Töchtern passen, welche hier um die Helden herumschwirrten. Etwas in ihrer Ausstrahlung, in ihrem Gebaren und ihrer Sprache, zeigte dass sie nicht hierher gehörte.

Diese Erkenntnis ließ die Gruppe nicht los, so dass Tapo-Sica die Gleichaltrige schließlich ansprach. Sie stellte sich als Caya Fuxfell vor. Tatsächlich war sie sogar in Appelquell geboren, eine Reihe von tragischen und mysteriösen Zuständen zwang sie dann jedoch, ihr Heil in der nicht all zu weit entfernten Stadt Elenvina zu versuchen. Dort lernte sie schnell, sich alleine durchzuschlagen. Sehr viel wollte sie nicht von sich preisgeben, doch war allen klar, dass sie ein Charakter war, der durchaus bereit war zu tun was notwendig ist, um zu überleben.

Die Nacht schritt immer weiter voran und Rashid beschloss schließlich sich für die Nachtruhe zurück zu ziehen. Sehr weit kam der wortgewandte Tulamide jedoch nicht, da sich ihm die dralle Jule in den Weg stellte und darauf bestand, dem Helden, der ihre Schwester aus den Klauen des alten Ritters errettet hatte, ihr Bett für die Nacht zu überlassen. Der Held ließ sich das nicht zweimal sagen und ergriff die Chance beim Schopf. Das Mädchen hatte keine Chance. Aelindir sollte sein herausragendes Gehör in dieser Nacht noch verfluchen.

Doch nicht nur Rashid sollte in dieser Nacht ordentlich Rahja huldigen. Sowohl Tapo-Sica, als auch Lúthien waren immer wieder schüchternen Blicken der jungen Männer ausgesetzt und nach einigen Mutspendern war es der junge Rukus, der das Gespräch mit der dunkelhäutigen Schönheit suchte und sie schließlich zum Tanz aufforderte. Vom ausgelassenen Treiben und der ehrlichen Freude der Gemeinschaft angesteckt, sagte die sonst so misstrauische Tapo-Sica zu und legte mit dem jungen Schweinehirten eine erstaunlich flotte Sohle aufs Parkett. Rukus‘ Freund Connar wollte nun nicht nachstehen und forderte die deutlich ältere Hexe zum Tanz auf, welche freudig zustimmte. Sowohl Satuaria, als auch Rahja hatten mit Sicherheit ihre Freude an der Darbietung der vier Tänzer und bald bildete sich ein jubelnder Kreis um die Tanzenden.

Die selbstlosen Helden, allen voran die überaus berauschte Hexe wollten nachher das Angebot der Dorfbewohner, ihre Betten für sie zu räumen auf keinen Fall annehmen und übernachteten freiwillig in der Scheune, bis auf Aelindir, welcher sich in die Bäume zurück zog.

Der nächste Morgen sollte für die Helden erst weit nach Mittag stattfinden, keiner hatte es gewagt die Gruppe zu wecken und so nahmen sie ihr reichhaltiges Frühstück unter der warmen Nachmittagssonne ein und beobachteten die Dorfbewohner bei ihrem Tagwerk. Sofort machte sich ein fahler Beigeschmack breit. Diese Menschen hatten sehr wenig zum Leben und zögerten dennoch keine Sekunde, all ihre Besitztümer herzugeben oder zu teilen. Rashid ibn Allam wunderte sich wieder einmal über die augenscheinliche Unfähigkeit der Nordländer ein funktionierendes Sklavensystem aufzuziehen, was besonders Tapo-Sica die Zornesröte ins Gesicht trieb. Die Gruppe beschloss noch am selben Tag aufzubrechen und nach Albenhus weiterzuziehen, wo sie den Händler Eisinger vermuteten, welcher von Belohnung und Arbeit sprach. Gerade als sie unter Glückwünschen und Dankbarkeitsbekundungen das kleine Dorf verlassen wollten, rauschte eine blonde Gestalt durch die Menge. Die junge Caya hatte kurzerhand beschlossen ihre persönliche Queste hintanzustellen und sich dieser illustren Gruppe anzuschließen. Sie wurde freundlich aufgenommen und man machte sich auf den Weg durch den Wald.

Bald wurden sie jedoch von der aufziehenden Dämmerung dazu gezwungen, ein Lager für die Nacht zu suchen. Sie teilten sich auf und durchkämmten die unmittelbare Umgebung, nur um kurz darauf, gleichzeitig, von verschiedenen Richtungen kommend, ein und denselben Lagerplatz zu finden, welcher sich der einhelligen Meinung nach perfekt für die Nacht eignete. Rashid baute die zuvor im Dorf erworbene Plane auf, um sich und widerwillig auch seinen Gefährten, einen wind-, und wettergeschützten Schlafplatz zu gewähren und Aelindir übernahm freimütig die erste Wache. Sein Versuch auf einen Baum zu klettern, schlug leider fehl und er war insbesondere froh, dass der eigenartige Südländer bereits im Reich der Träume weilte.

Relativ problemlos bewältigte er seine Wachschicht und weckte Tapo-Sica um es sich anschließend im Moos bequem zu machen. Auch Tapo-Sica durchwachte eine ereignislose Stunde, während sie sich die Langeweile damit vertrieb, die nähere Umgebung auszukundschaften. Dann weckte sie Lúthien und begab sich zurück auf ihren Schlafplatz.

Die Hexe setzte sich auf einen Stamm und war kurze Zeit später bereits wieder eingeschlafen. Rashid und Caya erwachten aber nach einigen Minuten mit einem unguten Gefühl in der Magengrube und sahen eine massige Gestalt über den Rucksack der Hexe gebeugt. Sofort waren sie auf den Beinen und weckten die Gruppe. Auch der Eindringling richtete sich nun zu seiner vollen Größe von knapp 2 Schritt auf und ließ ein bedrohliches Brüllen hören. Ein Borkenbär war von ihrem Proviant angelockt worden, und das fehlende Feuer hatte sein übriges dazu getan. Aelindir schaltete schnell und teilte seinen Gefährten mit, dass Bären sich durch Geschrei und übertriebenes Gehabe wohl verjagen lassen sollten.

Gesagt, getan und die Gruppe brüllte mit dem erstaunten Bären um die Wette. Kurz darauf, gab der Bär tatsächlich klein bei und verabschiedete sich verstört ins Unterholz. Eine erste Sichtung ergab, dass Lúthiens Gepäck lediglich ein Apfel fehlte. Die verschlafene Hexe bezwang ihre Rachsucht und schenkte diesen großmütig dem feigen Bären. Danach ließ sie ihre Freunde wissen, dass sie nun gedachte, weiter zu schlafen. Die Blicke in ihrem Rücken waren durchaus fragwürdig. Dennoch konnten sie die restlichen Stunden bis zum Morgen ohne Störung zum Schlafen nutzen.

Sie setzten ihren Weg nun fort und das Gebiet wurde felsiger. Einige Stunden waren sie nun wieder unterwegs, als plötzlich ein markerschütternder Schrei ertönte und sich ein gewaltiger Schatten auf die Gruppe stürzte. Wieder war es Aelindir, der praktisches Denken bewies und mit einem Hechtsprung zur Seite rollte, während alle anderen ihre Waffen zogen. Bis auf Tapo-Sica und Lúthien schafften es dann doch noch alle, irgendwie auszuweichen, die junge Frau aus den Dschungeln des Südens und die Hexe fühlten sich wie von einem Felsen getroffen.

Ein gewaltiges Wesen richtete sich nun zwischen den Helden auf und überragte selbst den 2 Schritt großen Auelfen noch um mehr als 2 Haupteslängen. Angetan in wilde Felle, mit langem Haupthaar und einer borkigen Haut, in der Hand eine gewaltige Keule, um nicht zu sagen ein ausgerissener, junger Baum, stand der Hüne da und brüllte und hielt die Gruppe auf Abstand. Dennoch machte er keine Anstalten anzugreifen. Die Gruppe konnte sich ihrerseits auch nicht wirklich dazu durchringen, den ersten Schritt zu tun und beschloss den geordneten Rückzug anzutreten.

In diesem Moment erbebte der Boden, als wäre eine rennende Rinderherde unterwegs zu ihrem Standort. Aelindir und Tapo-Sica flüchteten auf Bäume, Rashid versteckte sich und Lúthien und Caya scheiterten beim Versuch, es dem Elfen gleich zu tun und landeten im Unterholz. Wenig später stürmten vier Gestalten den Platz, eine größer und wilder als die andere. Zuvorderst ging ein Monster von weit über 4 Schritt Höhe, zottelige Haare an Kopf und Gesicht hingen bis über den Gürtel, die baumstammartigen Arme trugen eine gewaltige Axt, welche wohl die gesamte Körperkraft der Gruppe benötigte, um überhaupt angehoben zu werden. Direkt dahinter ein nur geringfügig kleineres Wesen, welches jedoch als weiblich zu erkennen war und schnurstracks zum vermeintlich ersten Angreifer lief und diesen in die mächtigen Arme nahm. Die restlichen Gestalten waren von ähnlicher Größe, wie der Angreifer und blickten sich suchend um. Aelindir, Lúthien, Rashid, Tapo-Sica und Caya wagten nicht sich zu rühren.

Kurz darauf marschierte die weibliche Kreatur auf das Versteck der Helden zu und stellte sich in gebrochenem Garethi als Krschtil, Tochter des Krschark vor und forderte die Wimmelkrieger auf sich zu zeigen. Nach einigem Zögern, beschlossen die Helden, dass von diesen Hünen wohl keine Gefahr auszugehen schien und sie traten der Reihe nach aus dem Wald. Es entwickelte sich ein schwieriges Gespräch und mit Hand und Fuß stellte man sich einander vor und tauschte das Woher und Wohin aus. Die Helden erfuhren, dass die Trollfamilie, denn um solche handelte es sich, vor kurzem ihr angestammtes Heim im nahen Silberbachtal verlassen musste, da das ganze Tal verrückt spielt. Sie sprachen von bösem Holz und bösem Stein und bösem Wasser und dass die jüngste Trolltochter von eben diesen schwer verletzt wurde. Hier brachte die verzweifelte Trollmutter immer wieder die Bitte hervor, dass Aelindir, welchen sie wohl als heilkräftigen Elf erkannte, diese doch heilen sollte.

Schließlich folgte die Gruppe den riesigen Trollen in ihr Lager, wo sie ohne Umschweife zur armen „kleinen“ Krikonk geführt worden, deren Bein auch für Laien als gebrochen zu erkennen war. Angesichts der gewaltigen Größenunterschiede schreckte man vor Versuchen einer profanen Wundheilung zurück, aus Furcht die Sache vielleicht schlimmer zu machen. Aelindir versuchte sich dementsprechend an einem Balsam-Zauber, versagte jedoch und konnte dem Trollmädchen nicht helfen.

Die Hexe Lúthien schritt ein und verteilte eine gute Menge ihres heilkräftigen Speichels auf Krikonks Knöchel, welcher sich auch tatsächlich wieder gerade richtete und bald bis auf leichte Blutergüsse, keine Anzeichen des Bruches mehr erahnen ließ.

Die dankbaren Trolle luden die Gruppe zum Essen und Verweilen ein und es ergab sich ein erneutes Gespräch über die Vorkommnisse im heimischen Tal. Wieder wurde die Gruppe von 5 riesenhaften Augenpaaren erwartungsvoll angestarrt. Scheinbar war die Meinung der Trolle über die Wimmelkrieger eine sehr hohe, denn sie erwarteten sich wohl Hilfe und Wissen in allen Lebenslagen.

Nachdem die Gefährten die würzige, etwas säuerliche, aber dennoch schmackhafte Trollsuppe gegessen hatten, und eine Zeitlang die Fürs und Wider ab gewägt hatten, siegte das heldenhafte Blut und besonders Cayas Zweifel mussten zerstreut werden. Man beschloss nach einer Nacht bei den Trollen aufzubrechen.

Dem Weg in das Tal, welchen sie ohne die Trolle wahrscheinlich gar nicht gefunden hatten, folgte die Gruppe bis zu einer Weggabelung. Während der Wald rechterhand dunkel, dicht und abweisend war, bestand er linkerhand nur aus vereinzelten Bäumen, ohne Unterholz. Man merkte, wo die Trolle normalerweise unterwegs waren. Sie wählten den linken Weg und erreichten nach einiger Zeit die verlassene Höhle der Trolle. Lúthien beschloss mit ihrem Besen eine Aufklärungsrunde zu fliegen um die nähere Umgebung auszukundschaften. Ihr Flug bestätigte die Gruppe darin, dass keine Lebewesen in der Nähe waren. Ein weiterer Flugversuch endete im Gestrüpp und mit einem zerkratzten Gesicht. Daraufhin beschloss man zu Fuß weiter zu gehen.

Sie folgten Wegen und Trampelpfaden, überquerten einen kleinen Bach und kamen schließlich zu einer erneuten Lichtung. Vorsichtig pirschte man sich ran und wurde eigenartiger, spitzer Bauten gewahr, welche sich über die Lichtung verteilten. Nach kurzer Zeit siegte die Neugier und die Gruppe inspizierte diese Gebilde aus nächster Nähe. Es stellte sich heraus, dass sie auf ein verlassenes Goblinlager gestoßen waren. Außer alten Alltagsgegenständen und muffigen Fellen, war nichts zu finden.

Sie verließen das Dorf um zurück zur Trollhöhle zu gehen und zu beratschlagen. Aelindir drängte darauf, die Wege zu verlassen, da er in den Tiefen des Forstes Kräuter vermutete. Tatsächlich war er in der Lage einige Blätter heilkräftiger Wirselkräuter zu finden, was den Elfen jauchzen ließ und den, eher härtere Währung bevorzugenden Rashid nur ein Kopfschütteln kostete.

Plötzlich verspürte die junge Caya eine beklemmende Gänsehaut am ganzen Körper. Sie warnte ihre Gefährten und die Gruppe wappnete sich. Keinen Augenblick später ließ sie ein kehliges Lachen herumfahren. Drei altbekannte Gestalten traten zwischen den dunklen Bäumen hervor. Der tiefschwarzbepelzte Ork mit dem Kupferband auf seinem Hauer, welchen sie bereits in der Burg des Edlen von Sturzenstein kennen gelernt hatten, betrat die Szenerie zusammen mit seinen zwei orkischen Gefährten. Er warf ihnen vor, ihm eine lukrative Möglichkeit zerstört zu haben und dass sie dafür nun sterben müssten. Rashid spuckte ihm entgegen, dass er sich darauf freue, seinen Kupferschmuck zu verkaufen.

Dann entbrannte der Kampf. Lúthien machte sich bereit einen Zauber zu wirken und zog sich etwas zurück. Rashid, der das bemerkte, stellte sich vor sie, um ihr die Zeit dazu zu erkaufen.

Tapo-Sica und die aufgeregte Caya verblieben in der Mitte und stellten sich damit dem gefährlichen Orkboss in den Weg. Aelindir verblieb am Rand und verfolgte den Weg eines Orks mit seinem Bogen.

Die Orks wussten um ihre Unterzahl und versuchten die Helden einzukesseln. Während der Rädelsführer geradewegs auf die zwei kleinen Mädchen zustapfte, bewegten sich seine Kumpane links und rechts durch die Bäume um den Helden in die Flanken zu fallen. Rashid hielt seinen Gegner mit seinem Stockdegen und einem defensiv ausgelegten Kampfstil auf Abstand und ermöglichte so Lúthien das Beenden ihres Zaubers. Sie warf ihren Besen auf den Orkanführer, woraufhin das harmlos aussehende Kehrutensil ein Eigenleben entwickelte und auf den überraschten Ork einschlug.

Währenddessen konnte Aelindir mit seinem Bogen zwei schmerzhafte Treffer gegen den Ork auf der anderen Seite landen und verhinderte damit erfolgreich dass dieser seinerseits zum Angriff übergehen konnte. Caya bearbeitete den Anführer todesmutig mit ihrem Kampfstab, so dass dieser sich nun zwei Stöcken gegenüber sah, welche er mühevoll mit seinem Arbach parierte. Doch mit dem Fortlauf des Kampfes gelang es dem muskulösen Ork, seine kleine Gegnerin mit seinem Säbel zu verletzen. Tapo-Sica nutzte diese Situation um den Schwarzpelz mit einem kraftvoll geführten Schwung ihrer Peitsche von den Beinen zu reißen.

Dann geschah das Unerwartete. Gerade als Rashids Gegner zu einem Angriff ausholte und Rashid seinen Stockdegen in Erwartung eines Schlages nach oben riss, schlug der Baum direkt neben dem Ork plötzlich aus. Der solcherart überraschte Ork hatte keine Chance. Wie eine Puppe wurde er weggeschleudert und blieb mit gebrochenem Genick einige Schritt weiter liegen.

Die abergläubischen Orks rissen die Augen auf und suchten das Weite, das war einfach zu viel an kämpfendem Holz. Die Helden frohlockten, fluchten jedoch nur eine Sekunde später, als sie merkten, dass der brutale Waldschrat sich nun in ihre Richtung bewegte und keine Anstalten machte, sie zu verschonen. Mit vereinten Kräften redeten sie auf das uralte Waldwesen ein und erreichten damit zumindest, dass der Schrat ihnen zuhörte.

Mit dem Geräusch von knirschendem Holz machte er ihnen klar, dass ein verbündeter Druide ihm aufgetragen hatte, jegliche Eindringlinge auch mit Gewalt aus seinem Wald zu jagen. Er gab ihnen diese Chance seinen Wald zu verlassen und nicht wieder zu kommen. Die Helden nahmen dankbar an und nahmen die Beine in die Hand.

Sie erreichten müde, verwundet und verängstigt mit der einsetzenden Dunkelheit die sichere Trollhöhle und beratschlagten über ihr weiteres Vorgehen. Auf einmal fiel der entsetzten Hexe Lúthien auf, dass sie den Zauber ihres Besens im ersten Schock nicht beendet hatte. Dieser war wohl dem Orkanführer eine Zeit lang gefolgt, bevor die Reichweite geendet hatte und dieser sich zum unbelebten Besen zurück verwandelt hatte. Er lag nun verloren irgendwo im Wald der Schrate. Auch Caya merkte an, dass eines ihrer fehlgegangenen Wurfmesser noch in einem Baum stecken müsste. Gemeinsam reifte in ihnen der Entschluss den nächtlichen Wald nach den verlorenen Dingen zu durchsuchen. Die Blicke ihrer Gefährten waren ein Bild für Götter. Natürlich wurde der Plan wieder verworfen.

Man bettete sich in der Höhle zur Ruhe und Rashid übernahm die erste Wache. Doch erholen konnte sich diesmal keiner. Sowohl Aelindir, als auch seine weiblichen Begleiter wurden von schrecklichen Albträumen geplagt, welche die innersten Ängste ansprachen und die Nachtruhe empfindlich störten. Die junge Caya verfiel durch ihren Traum in eine nicht zu durchbrechende Apathie und war nicht mehr ansprechbar.

Aelindir Abendblüte erwachte. Doch etwas war anders. Er war nicht mehr in der Trollhöhle und seine Gefährten waren ebenfalls nicht mehr anwesend. Was war passiert? Der Auelf erhob sich von einem mit Stroh gefüllten Holzrahmen und blickte sich im Raum um. Ein steinerner Raum, Tische, Stühle, ein wuchtiger Schreibtisch. Wie kam er nur in diese all zu menschliche Umgebung? Er trat an den Tisch heran. Pergamentrollen, eine Schreibfeder… Er blickte aus dem Fenster, das Rauschen eines Flusses, des Oblomons, er war Zuhause!

Er rannte aus dem Haus, nur um sich umgeben von weiteren steinernen Bauten wiederzufinden. Er erblickte ein bekanntes Gesicht. Sein langjähriger Freund Imion Weißblatt trat auf ihn zu mit einem erstaunten Gesichtsausdruck.

„Imion, was geht hier vor sich?“

„Aelindir, altes Haus, das frag ich dich! Was hast du denn da bitte an? Was sollen die Damen denken??“

Aelindir blickte sprachlos an sich herab. Er trug ein leinenes, knielanges Schlafhemd. Auch Imion trug fremde Kleidung. Ein geckenhaftes, berüschtes Hemd und eine hautenge Lederhose in knalligen Farben.

In dem Moment kam Ranarion Pfeilläufer zu ihnen. Er war ebenfalls ein bekanntes Mitglied aus Aelindirs Sippe.

„Hey Imion, du Lump, du schuldest mir noch 5 Dukaten!!“

Mit einem Schrei stieß Aelindir die beiden falschen Freunde von sich und rannte los…

Lúthien Melwasúl stand am Strand in Thorwal. Sie liebte das raue Klima, den lebhaften Wind und den allgegenwärtigen Salzgeruch in der Luft. Hinter ihr rauchten die Schornsteine Thorwals. Mit einem seeligen Lächeln entkleidete sie sich und watete in die erfrischenden Fluten.

Sie blickte versonnen an sich herab und erstarrte. Das Meer war blutrot. Langsam hob sie ihren Blick und wünschte sie hätte es nicht getan. Ein aufgeschlitzter Delphinkadaver trieb vor ihr im Wasser. Mit Tränen in den Augen blickte sie herum und erkannte dass das Meer voller toter Tiere war. Blutende Wale, Rochen, Delphine zuckten teilweise im Todeskampf, während die meisten bereits lange verendet waren.

Tiefe Angst erfasste die sonst so lebenslustige Hexe und sie verließ zitternd das blutige Meer. Als sie sich umwandte, wurde sie einer riesigen Rauchsäule gewahr welche in der Mitte des Dorfes gen Himmel stieg.

Sie rannte hin, schrie auf die Herumstehenden ein, stieß sie zur Seite als sie nicht reagierten und boxte sich ihren Weg zum Feuer. Mittendrin in der Lohe erkannte sie ihre Ziehmutter, die alte Hexe welche sie alles gelehrt, ihr alles gezeigt hatte. Hilflos verbrannte sie in den Flammen.

 

Die Sonne schickte ihre warmen Strahlen durch das dichte Blätterdach im Dschungel Südaventuriens. Tapo-Sica stand vor ihrer Schilfhütte und beobachtete den ungleichen Kampf ihrer Schlange Anpa-Ha gegen eine Wühlmaus.

Doch mit einem Mal durchbrach ein Gedanke die idyllische Ruhe. Warum war es hier so ruhig? Wo waren die jungen Männer, die mit ihren Mutproben angaben? Wo die jungen Mädchen, die Fische fingen? Wo die ganzen kleinen Kinder ihres Stammes?

Tapo-Sica durchsuchte das ganze Dorf, doch vergeblich. Niemand war hier.

Plötzlich vernahm sie Stimmen. Sie pirschte sich durch den dichten Urwald und erreichte eine Schar Menschen, welche gut gerüstet und siegessicher ihren Stamm vor sich her trieb. Wut erfasste sie, als sie sah wie einer der Sklavenhändler ihren Bruder mit Peitschenhieben eindeckte bis er in die Knie brach und ihn dann noch mit dem Fuß traktierte. Sie verfolgte die Gruppe bis an die Anlegestelle eines Schiffes. Doch sie konnte sie nicht einholen. Egal was sie tat, es war vergebens. Sie musste mit ansehen, wie ihre Familie und die anderen in enge Käfige gepfercht wurden, geschlagen und misshandelt und was das Schlimmste war – gebrochen.

Gerade wollte sie versuchen das Schiff zu erreichen, als ein Schrei ihre Aufmerksamkeit erregte. Ihre Schwester hatte sich losreißen können und die Wache mit einem Tritt außer Gefecht gesetzt. Jetzt rannte sie quer über das Schiff um mit einem Sprung ins Wasser zu entkommen. Ihre starke Schwester! Doch noch bevor sie über die Reling springen konnte durchbohrten sie mehrere Armbrust-Bolzen. Wie ein Sack fiel ihre stolze, starke Schwester in die Fluten und trieb, rote Schlieren hinter sich ziehend, davon.

Caya Fuxfell verfolgte ihre kleine Schwester. Das kleine Mädchen lachte und gluckste vor Freude, als es sich immer wieder dem Griff der Älteren entwinden konnte. Auch die anderen Fuxfell Geschwister waren da und genossen das wilde Spiel.

Plötzlich blieb Caya abrupt stehen. Ihre Geschwister waren tot. Sie waren alle tot, jämmerlich verbrannt im großen Feuer. Tränen füllten ihre Augen und verschleierten ihren Blick.

Ihre kleine Schwester kam zurück und tätschelte Cayas Hand, als wolle sie ihr Mut zusprechen. Caya zwang sich zu einem Lächeln. Doch was war das? Wo das kleine Mädchen sie berührt hatte, prangten schwarze Rußflecken. Caya erschrak und ergriff die kleine Hand ihrer Schwester. Doch ihre rosige Haut platzte auf, wurde schwarz und zerfiel wie Asche. Rundherum hörte sie die infernalischen Schreie ihrer Geschwister, die dem Feuer nichts entgegen setzen konnten.

Das letzte was sie sah, waren die unsagbar traurigen Augen ihrer kleinen Schwester.      

Am nächsten Morgen zogen die Gefährten ermattet und desillusioniert weiter und ließen ihre neue Begleiterin schweren Herzens in der Trollhöhle zurück. Auch Aelindir litt gewaltig unter seinem Traum, welcher ihm vor Augen führte wie lang er bereits von seiner Sippe getrennt war.

Nach einiger Zeit erreichten sie einen Steinbruch. Wieder mal sah alles verlassen und ungefährlich aus, doch die Helden waren skeptisch. Gerade wollten sie sich die Örtlichkeit genauer ansehen, als das Gestein selbst zum Leben erwachte. Ein grob menschenförmiger Erzelementar erhob sich und machte sich langsam aber doch daran, die Eindringlinge zu zermalmen.

Einen Stein zu verletzen erschien ihnen unmöglich und so entschieden sie sich zur Flucht. Der Elementar folgte ihnen nicht, er war scheinbar an den Steinbruch gebunden. Die Helden erinnerten sich an die Worte des Waldschrates. Das Auftauchen des Steinwächters schrieben sie kurzerhand ebenfalls dem schurkischen Druiden zu. Der Entschluss war gefasst. Diesem Bösewicht musste schnellstmöglich das Handwerk gelegt werden.

Nach kurzem Fußmarsch erblickte die Gruppe eine kleine Siedlung. Die meisten Häuser waren vor langer Zeit bis auf die Grundmauern abgebrannt und nicht bewohnbar, im krassen Gegensatz dazu standen zwei Gebäude in voller Pracht in der Mitte der Siedlung. Rashid und Lúthien erkannten das trutzige Gebäude mit der eindrucksvollen Frauenstatue samt Löwin am Dach, als der Göttin des Kampfes, Rondra, geweihten Tempel. Direkt gegenüber war ein weiteres sehr gut erhaltenes Gebäude, aus welchem der charakteristische Ton eines schmiedenden Menschen erscholl. Lúthien und Aelindir schlichen sich an die offene Front dieser Schmiede an und die Hexe erkannte sie als Tempel des Schmiedegottes Ingerimm. Sie teilten ihren wartenden Gefährten ihre Erkenntnisse mit und waren wieder einmal uneinig wie weiter verfahren werden sollte. Aelindir entschloss sich schließlich einen Stein auf den Amboss zu werfen und abzuwarten. Bevor seine Gefährten sich dazu großartig äußern konnten, setzte er seinen Plan in die Tat um und traf mit einem meisterhaften Wurf tatsächlich den Amboss ohne jemanden zu verletzen. Die Schmiedin stürmte daraufhin mit Hammer und glühendem Schwert nach draußen und verlangte in der Götter Namen zu erfahren was vor sich gehe.

Rashid und Lúthien beschlossen, dass eine gottesfürchtige Person nicht gefährlich für sie werden könne und stellten sich vor. Rashid konnte die muskulöse Schmiedin, welche sich als Norrigea vorstellte auch beruhigen, dass von ihnen keine Gefahr drohe und so kam man ins Gespräch. Es stellte sich tatsächlich heraus, dass der Druide für all dieses Unbill verantwortlich ist. Die zwölfgötterfürchtige Norrigea und der Sumu-Gläubige Druide Daliseon gerieten über ihre unterschiedlichen Glaubensansätze derart in Streit, dass sie sich gegenseitig und ebenso allen anderen Bewohnern des Tals, das Leben zur Hölle gemacht hatten.

Die Helden willigten ein, den Druiden aufzusuchen und mit ihm zu reden. Rashid durchschaute den offensichtlichen Hass der Schmiedin. Er war der Ansicht, dass diese eher enttäuscht als wütend war.

Sie erreichten den undurchdringlichen Dornenhain des Druiden unbehelligt, konnten das gefährliche Gestrüpp jedoch nicht durchdringen. So versuchten sie einfach nach dem Druiden zu rufen. Tatsächlich antwortete der alte Sumudiener und ein interessantes Gespräch entwickelte sich, in deren Verlauf die Gruppe feststellte, dass die zweite Seite eines Streites durchaus Beachtung verdient.

So hatte sich Norrigea ebenso schlimmen Methoden bedient um den Druiden zu treffen. Sie hatte nicht nur versucht seine Kräuterbeete trocken zu legen, sondern auch einen heiligen Baum zu fällen und damit die Waldschrate sehr verärgert.

Man könnte nun annehmen, dass eine Gruppe wie diese, mit Aelindir und Tapo-Sica, als naturverbundenen, ungläubigen Lebewesen auf der einen, und mit Rashid und Lúthien, als den Zwölfen mehr oder weniger verbundene Wesen auf der anderen Seite, in schlimmen Streit verfallen und sich auf die verschiedenen Seiten stellen könnte, doch die Vier waren nach den Schwierigkeiten der vergangenen Stunden sehr lösungsorientiert unterwegs und legten großen Fokus auf die Beilegung des Streits.

Zu ihrer Überraschung war der „böse“ Druide sehr wohl zu einer Versöhnung und einem friedlichen Zusammenleben bereit, jedoch verlangte er – zurecht, wie die Gruppe einstimmig beschloss – eine Entschuldigung der Schmiedin an die Waldschrate.

So machten sich die Gefährten auf den Weg zurück um Norrigea die Neuigkeiten mitzuteilen. Die sture Schmiedin gab zwar zu den Waldschraten Unrecht getan zu haben, sah sich jedoch weiterhin im Recht und verlangte ein Zeichen der Götter um ihr das Gegenteil zu beweisen.

Tapo-Sica merkte geistesgegenwärtig an, wie unwahrscheinlich es doch sei, dass einige so verschiedene Menschen in so ein abgelegenes, fast geheimes Tal kommen, wo gerade solch ein Streit stattfindet, und ob es nicht möglich wäre, das ihre Ankunft das gesuchte Zeichen der Götter sein könnte.

Die dadurch extrem nachdenklich gewordene Schmiedin erbat sich eine Stunde Bedenkzeit und ließ die Gefährten stehen. Diese Zeit nutzten die Helden um zu überlegen, was sie tun könnten um die Schmiedin zu überzeugen. Die wildesten Lügengebäude wurden ent-, und wieder verworfen und gerade als Rashid den Gedanken fasste, sich der Schmiedin einfach zu entledigen, ließ sie ein Räuspern herumfahren.

Die Schmiedin war zu dem Entschluss gekommen die Helden in ein Geheimnis einzuweihen und eine Entscheidung von ihnen zu verlangen. Sie erzählte von einer verzierten Zweihandaxt, die sie einstmals in den verfluchten Zwergenminen von Ungorosch, welche sich unter dem Tal befinden, verloren hatte, als sie mit einer Gruppe Glücksrittern nach Schätzen suchte. Alle bis auf sie kamen damals auf schlimmste Art und Weise um.

Sollte es den Helden gelingen, diese Axt für sie zu bergen, so versprach sie, die Gruppe als von Rondra und Ingerimm gesandt an zu erkennen und sich um ein friedliches Nebeneinander mit Daliseon zu bemühen.

Natürlich willigten Aelindir, Rashid, Lúthien und Tapo-Sica ein. Sie übernachteten im Tempel, ließen sich von Daliseon heilen, sowie mit Heiltränken ausstatten, während sie von Norrigea hilfreiches Werkzeug für den Abstieg in die dunkle Binge von Ungorosch bekamen. Norrigea zeichnete ihnen aus dem Gedächtnis eine Karte und warnte sie eindringlich vor den namenlosen Schrecken aus der Tiefe und insbesondere vor gigantischen Steinfiguren, welche damals die meisten ihrer Gefährten getötet haben sollen.

Bevor sie schließlich in den dunklen eingestürzten Trichter kletterten, wo Rashid abstürzte, sich aber gerade noch wieder fangen konnte, baten sie Norrigea in die Trollhöhle zu gehen und nach ihrer apathischen Gefährtin Caya zu sehen und sie gegebenfalls aufzupeppeln.

Die Schmiedin stimmte zu und die Gruppe wurde von der Dunkelheit Ungoroschs verschluckt.

Kaum hatten sie die ersten Schritte in der staubigen alten Mine gemacht, wurde Lúthien von einer Gänsehaut überzogen und sie war unfähig sich zu bewegen. Mechanisch drehte sie sich um und offenbarte ihren Gefährten eine geisterhafte Erscheinung eines Zwergs, der einen grausamen Tod sterben musste. So schnell die Erscheinung erschien, so schnell war sie wieder in bläulichem Nebel verlaufen.

Mit mulmigem Gefühl setzte die Gruppe ihren Weg in der Dunkelheit fort. Sie erreichten eine Kreuzung mit einem Brunnen in der Mitte. Ein kurzer Blick hinein offenbarte nur Schwärze.

Ihr ganzer Weg war von dem unbestimmten Gefühl begleitet, nicht allein zu sein, als gäbe es eine unsagbar böse Präsenz, die jeden ihrer Schritte beobachtet, die sich an ihrer Pein erfreut. Doch bis auf wispernde, scharrende, zermürbende Geräusche passierte nichts.

Sie erreichten ein wuchtiges Stiegenhaus und entschlossen sich dazu nach oben zu gehen, als Aelindir unabsichtlich ein gewaltiges Spinnennetz in Schwingungen versetzte. Es dauerte nicht lange, bis klackernde, kratzende Geräusche an ihre Ohren drangen. Eine hässliche fette Höhlenspinne kletterte in ihrem Rücken das Stiegenhaus herauf und bedrängte den ganz hinten gehenden Rashid mit ihren vor Gift triefenden Beißwerkzeugen. Aelindir konnte als Anführer der Truppe nicht angreifen und auch für einen Schuss mit seinem Bogen hatte er keine freie Sicht. Lúthien und Tapo-Sica, welche in der Mitte gingen, konnten ihre Waffen auch nicht benutzen, als traf Tapo-Sica eine riskante Entscheidung. Das junge Mädchen hob einen herumliegenden Stein von der Größe eines Kinderkopfes auf und warf ihn in hohem Bogen über Lúthien und Rashid. Phex blickte ob dieser mutigen Entscheidung mit Wohlwollen auf die bronzene Schönheit und der Stein erwischte die Spinne und ließ sie taumeln. Rashid nützte die kurrzeitige Verwirrung des Arachnoiden und trat dann herzhaft zu, ohne jedoch die Spinne vom schmalen Sims werfen zu können, auf welchem sie saß. Dennoch ermöglichte dieser Tritt, Aelindir den entscheidenden Schuss mit seinem Bogen und die tödlich verwundete Spinne trat fauchend und spuckend den Rückzug an.

Die Gefährten setzten ihren Aufstieg fort und erreichten schließlich eine morsch in den Angeln hängende Türe. Rashid versuchte diese nun vorsichtig zu öffnen, was ihm legendär misslang. Kurz sah es so aus, als würden die schweren Türflügel die hilflosen Gefährten nun erschlagen, doch dann stürzten sie doch in die andere Richtung in sich zusammen. Außer einem niederhöllischen Lärm und einer gewaltigen Staubwolke war nichts passiert. Hinter dem zerfallenen Tor lag eine riesige Halle. Doch irgendetwas stimmte nicht. Dies war nicht der Raum den Norrigea ihnen aufgezeichnet hatte. Sie hatte ihn schlichtweg vergessen.

Sie ignorierten die links und rechts abgehenden Gänge und marschierten geradeaus durch. Gerade als sie die Mitte des Raumes erreichten, verharrte Lúthien aufs Neue. Wieder wurde ihr Körper von Krämpfen geschüttelt und ihre Augen verdrehten sich bis nur noch das Weiße im Fackelschein leuchtete. Die Gruppe wurde Zeuge, wie eine geisterhafte Schar an Zwergen mit ihrem Hochkönig in feierlicher Prozession die ehrwürdigen Hallen ihrer Väter verließ.

Als die Erscheinung wie bereits vorher, in bläulichem Nebel zerstob und ihre Gefährtin wieder bei Sinnen war, setzten sie ihren Weg fort. Sie erreichten eine weitere Tür und in der Halle dahinter fiel ihr Fackelschein auf…. Riesenhafte Figuren.

Der erste Schock ließ die Gefährten erstmals zurücktaumeln. Ihr Mut hatte sie fürs Erste verlassen. Tapo-Sica schaffte es zwar, ihre aufkeimende Raumangst zurück zu kämpfen, doch die Helden beschlossen die anderen Gänge der riesigen Vorhalle zu untersuchen.

Sie wählten den linken Gang, doch nach wenigen Metern, stürzte ein gewaltiger Felsblock von der Decke auf die Gefährten nieder. Geistesgegenwärtig warfen sie sich rückwärts, nur Rashid überknöchelte auf dem staubbedeckten Boden und sah sein sicheres Ende kommen…. …. als der gewaltige Block keine 30 Finger über ihm stecken blieb. Starr vor Schreck blickte der unnatürlich blass gewordene Tulamide auf den mächtigen Steinquader über ihm, doch seine Gefährten zögerten nicht und zogen den Südländer in Sicherheit. Keine Sekunde zu früh, denn kurz darauf gab der Block der Schwerkraft nach und krachte auf den Boden. Dieser Gang war für immer verschlossen.

Der Gang gegenüber entpuppte sich ebenso als verschüttet. Eine skelettierte Hand mit einer abgebrannten Fackel, welche aus dem Schutt herausragte, kündete von einem Abenteurer mit weniger Glück.

Die Gruppe fand sich nun wieder in der Halle ein und bereitete sich seelisch darauf vor, den Raum mit den Statuen zu betreten… 

Fortsetzung Bearbeiten

29.05.2014 Bearbeiten

Nachdem die Helden sich vorerst nicht überwinden konnten, die Halle mit den riesenhaften Zwergenstatuen zu betreten, entschieden sie sich für eine kurze Rast, um neue Kräfte und Zuversicht zu gewinnen.

Halbwegs ausgeruht wurde ein Schlachtplan zu Recht gelegt. Die Idee Rashids, im verschütteten Gang zu graben wurde verworfen und schließlich entschied Aelindir seinen Unsichtbarkeitszauber einzusetzen, um, wie er hoffte, ohne Komplikationen durch die Statuenhalle zu kommen.

Er entkleidete sich, was selbst in der dunklen Halle ein Grinsen in Lúthiens Gesicht zauberte und sang die elfischen Worte und verschwand von einer Sekunde auf die andere.

Vorsichtig und doch geschwind schlich er durch die dunkle Halle, geradewegs auf den großen Durchgang in südlicher Richtung zu, wo er laut Norrigeas Karte den Thronsaal vermutete. Er passierte zahlreiche Steinstatuen in teilweiser desolater Verfassung, doch nichts geschah.

Optimistisch betrat er den Thronsaal, als ihn ein lautes Knirschen, gefolgt von einem markerschütternden Knall herumfahren ließ. Die Statue!!

Doch Aelindir ließ sich nicht beirren und hielt auf den Thron zu, wo er tatsächlich eine aufwändig verzierte Zweihandaxt fand.

Der Lärm war lauter geworden und als er sich umdrehte, sah er die Umrisse eines viel zu großen Zwergen im Durchgang stehen, der genau zu ihm blickte. Aelindir beendete mit einem Stöhnen seinen Zauber, da er begriff, dass dieses Steinwesen keine Sicht zur Wahrnehmung benötigte.

Natürlich hatten auch die anderen gehört, dass etwas passiert ist und so starteten sie die große Halle um ihrem Gefährten zu Hilfe zu kommen. Während Rashid und Lúthien die Statuenhalle genauer in Augenschein nahmen, rannte Tapo-Sica, beladen mit Aelindirs Ausrüstung quer durch und wollte dem Elfen zur Seite stehen. Die Statue wurde auf sie aufmerksam und ließ ihre wuchtige Steinaxt in einem überraschend schnell geführten Rückhandschlag gegen die Türöffnung knallen. Tapo-Sica brauchte nicht mal den Bruchteil einer Sekunde um zu reagieren und tauchte unter dem brachialen Schlag hinweg.

Als sich die Axt darauf hin in den steinernen Torrahmen fraß, brach ein kopfgroßes Stück aus der Decke und drohte das Mädchen zu erschlagen. Wieder bewies Tapo-Sica jedoch ihre Wendigkeit und sprang rückwärts in Sicherheit, während die Statue sich nur mit einer Hand abschirmte und der Brocken nun zwischen ihnen auf den Boden schlug.

Aelindir spurtete nun Richtung Thron um der Statue möglichst wenig Zielfläche zu bieten, während Tapo-Sica an die Wand zurückwich. Der mächtige Erzelementar folgte ihr und wollte sie in die Ecke treiben. Aelindir konnte sich gerade noch auf den Beinen halten, als er fast über den zertrümmerten Körper eines Mitglieds aus Norrigeas Truppe stolperte. Dann schnappte er sich jedoch einen großen Stein und warf ihn mit aller Kraft auf die Statue, um seiner Gefährtin Zeit zu verschaffen.

Dieser Wurf gelang ihm geradezu meisterlich und die überraschte Statue stolperte über den Schutt am Boden und fiel mit mächtigem Getöse nieder.

Rashid, der mittlerweile bemerkt hatte, dass von keiner weiteren Statue Gefahr drohte und sich ebenfalls zu den Kämpfenden gesellen wollte, stellte nun mit Schrecken fest, dass die Erschütterung eine Statue zu seiner Linken zu Fall brachte, welche nun direkt auf ihn stürzte. Sein Versuch in Sicherheit zu rollen misslang und er wurde unter dem tonnenschweren Gebilde begraben. Doch nicht zum ersten Mal war Phex ihm hold, und er befand sich genau im Hohlraum unter der erhobenen Hand der Statue.

Aelindir nützte den Sturz des Elementars und sprintete nackt wie er war, mit der Zweihandaxt in Händen aus dem Thronsaal, Tapo-Sica, die ja an der Seite des Raumes war, bewegte sich am Rand des Raumes zum Thron hin. Im Schein ihrer Fackel fielen ihr vereinzelt glitzernde Steine am steinernen Thron auf, welchen sie aber keinerlei Beachtung schenkte.

Der Elementargeist hatte sich wieder aufgerappelt und zerstörte mit einem mächtigen Hieb die Säule, hinter der gerade eben noch die Waldmenschen-Frau gestanden hatte. Steinsplitter und Schuttteile flogen wie Schrapnell durch den Raum, doch der gewandte Aelindir schaffte es den Geschossen meisterlich auszuweichen und erreichte ohne einen Kratzer die große Vorhalle, wo schon die hysterisch schreiende Lúthien wartete. Gemeinsam rannten sie in Richtung der Tore.

Tapo-Sica wollte den Thronsaal nun ebenfalls verlassen und rannte Richtung der Türe, als der Elementar ihr den Weg abschnitt und seine gewaltige Waffe horizontal durch die Luft sausen ließ. Doch auch dieses Mal gelang es der jungen Frau unter dem Hieb durchzutauchen und auf Rashid zuzustürmen, welcher sich unter der Statue befreit hatte und nun auf seine junge Gefährtin wartete.

Gerade als Aelindir und Lúthien die Halle verließen, und Tapo-Sica und Rashid ein paar Schritt zwischen sich und den Erzgeist bringen wollten, erschütterte ein Schlag den Boden, als der Elementar die vor ihm liegende Statue zertrümmerte. Wieder ging ein Hagel an Gesteinsbrocken auf die Helden nieder und während Lúthien und Aelindir in relativer Sicherheit waren und ungeschoren davon kamen, wurden die anderen zwei schmerzhaft getroffen. Tapo-Sica wurde von einem Splitter am rechten Oberarm getroffen, wo er ihr einen tiefen, stark blutenden Schnitt bis auf den Knochen zufügte und Rashid bohrte sich ein Geschoss tief ins linke Schienbein. Diese Wunde behinderte ihn ziemlich bei der Flucht und so schaffte er es nur, der voraus stürmenden Tapo-Sica hinterher zu humpeln.

Die Hexe und der Elf schlossen derweil einen der schweren Türflügel und direkt nach Rashid, welcher sich durchschleppte, mit vereinter Kraft den zweiten. Daraufhin rannte sie weiter in Richtung Stiegenhaus, als sie bereits das Hämmern der Statue gegen die verstärkten Tore hörten. Gerade als sie die oberste Stufe betraten, hörten sie, wie die Türe splitterte.

Tapo-Sica übernahm die Führung und Lúthien bildete das Schlusslicht. Dazwischen stützte der nackte Auelf den verletzten Südländer. Leider erinnerte sich niemand an das Spinnennetz und so versetzte Tapo-Sica es erneut in Schwingungen. Die Helden verharrten panisch, als sie ein Fauchen, ein Klappern, ein Schaben aus der Tiefe vernahmen. Die Spinnen waren wütend.

Doch auch Tapo-Sica war wütend und so zündete sie das Netz kurzerhand mit ihrer Fackel an. Innerhalb von Sekunden stand das staubige Treppenhaus in Flammen. Zwar steckten die Helden jetzt gehörig in der Bredouille, doch erreichten sie damit immerhin, dass auch die Spinnen ihre acht Beine in die Hand nahmen und das Weite suchten.

Tapo-Sica schirmte ihr Gesicht ab und sprang durch die Flammen aus dem Treppenhaus in Sicherheit. Der verletzte Rashid konnte sein Bein nicht mehr belasten und stürzte, wobei er auch den Auelfen mitriss. Lúthien setzte kurzerhand mit einem gewagten Sprung über die gestrauchelten Gefährten hinweg. Dann jedoch packte die kräftige Hexe zu und zog den hustenden Elfen kurzerhand in Sicherheit. Rashid versuchte sich aufzurichten, schaffte es jedoch nicht mehr aus eigener Kraft, doch bevor er ernste Schäden davontragen konnte, packte die resolute Hexe ein weiteres Mal zu und rettete auch dem Südländer das Leben.

Kurz wurde verschnauft, doch der Wunsch die verfluchten Minen endlich hinter sich zu lassen war übermächtig und so erreichten die Gefährten schlussendlich wieder den Kaminschacht, wo noch ihr Seil baumelte. Gerade als Lúthien nach dem Seil greifen wollte, überkam sie aufs Neue eine geisterhafte Erscheinung. Ein blassblauer, schemenhafter Zwerg erschien, blickte den Helden in die Augen, hob mit wehmütigem Blick seine Rechte zum Gruß, schulterte seine Axt und machte sich auf den Weg in die dunklen Tiefe Ungoroschs.

Die Helden blickten sich betreten an, besonders Tapo-Sica und Lúthien wollten den offensichtlich verfluchten Zwergen doch zu gerne helfen. Angesichts des vorherrschenden Zustandes, entschied man sich dann aber doch für das eigene Wohl.

Norrigea stand oben und half tatkräftig mit, den verletzten Rashid herauszuziehen, Lúthien und Tapo-Sica schafften es mit ihrer Hilfe ebenso, doch der mittlerweile wieder bekleidete Aelindir rutschte ab, schaffte es auch im Nachfassen nicht das Seil zu erwischen und stürzte drei Schritt in die Tiefe. Nur seiner überragenden körperlichen Verfassung hatte er es zu verdanken, dass er keine schlimmen Verletzungen davontrug.

Als schließlich und endlich alle wieder unter freiem Himmel waren, bedankte sich Norrigea ernst bei den Helden. Sie akzeptierte das Götterurteil, schloss Frieden mit dem sichtlich erleichterten Daliseon und gewährte den Helden jeweils eine ihrer meisterlich geschmiedeten Waffen. Norrigea teilte der Gruppe mit, dass ihre junge Gefährtin, Caya Fuxfell, auch nach ihrem Erwachen aus der Apathie nicht zu beruhigen war und darauf bestand, das Tal zu verlassen. Sie sagte nur, sie hätte dringende Dinge aus ihrer Vergangenheit zu bewältigen .Daraufhin schliefen die erschöpften und gebeutelten Streiter der Götter erst einmal im Rondra-Tempel ein.

Am nächsten Tag wurden sie von Daliseon geweckt, welcher die Trolle verständigt hatte. Er bat Tapo-Sica und Rashid ihm in den Wald zu folgen, wo er ihre schweren Verletzungen heilen wollte.

Sie stimmten skeptisch zu, als der Druide verlangte, dass sie sich auf den Erdboden legen und die betroffenen Stellen freimachen sollten. Er murmelte etwas und plötzlich wuchsen Ranken aus dem Boden, schlossen sich über Tapo-Sicas Arm und Rashids Bein und verursachten ein merkwürdiges, jedoch nicht unangenehmes Kribbeln. Als sich die Pflanzen zurückzogen, waren beide Wunden geschlossen und nur kleine Narben blieben zurück.

Die hocherfreuten Trolle bedankten sich überschwänglich und ließen es sich nicht nehmen, alle Beteiligten zum Essen einzuladen und man tanzte und lachte und schmatzte.

Norrigea bat Rashid, welcher ihr als am göttergefälligsten erschien, um ein vier-Augen-Gespräch, und schenkte dem überraschten und zum ersten Mal sprachlosen Tulamiden einen wunderbar gefertigten Langdolch, mit auffälligen, zu Löwentatzen geschwungenen Parierstangen und einem mit rotem Leder umwickelten Griff. In den Knauf war ein gelblicher Halbedelstein eingelassen, der Aelindir gleich bekannt vorkam. Es war der gleiche, wie der, den Lúthien von der kleinen Dinah geschenkt bekommen hatte.

Auf Nachfrage, sagte Norrigea, dass dieser Stein eines Morgens auf ihrem Amboss lag und sie die Eingebung hatte ihn in die Waffe einzubauen.

Die Freunde rätselten noch eine Weile über die Steine, doch dann ließen sie sich von der Stimmung mittragen und verbrachten einen schönen Tag. Man beschloss eine Weile im Silberbachtal zu bleiben, erwarb einen soliden Grundstock in trollischer Sprache und lernte das eine oder andere von Daliseon und Norrigea. 

Nächstes Abenteuer: Der Händler